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Mathematischer Denkspaß. 70 teuflische Versuchungen für clevere Rechenkünstler.

Weltbild, Augsburg 1998. 168 Seiten, DM 19,90.

Dieses Buch versammelt Aufgaben, die ursprünglich einzeln als „Preisrätsel für Denker“ in der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ veröffentlicht wurden.

Heinrich Hemme, im Hauptberuf Professor für Physik an der Fachhochschule Aachen, erzählt zu jeder Denkaufgabe erst einmal eine Geschichte, häufig dem Alltag eines Familienvaters entnommen und mit freundlich stichelnden Kommentaren zu handelnden Personen garniert. An deren Ende kommt dann das eigentliche Problem. Daneben hält ein ganzseitiges, meist farbenfrohes, manchmal kindlich wirkendes Bild von Matthias Schwoerer den Leser und Löser an, nicht die Geduld zu verlieren. Mitunter stecken wichtige Informationen zur Lösung darin, häufig ist es jedoch – vom Standpunkt des Tüftlers – entbehrlich.

Das Problem selbst ist dann mit Geduld und dem mathematischen Wissen der Mittelstufe zu bewältigen. Zuweilen liegt die Lösung auf der Hand; daneben kommen auch kniffligere Fragen aus Geometrie und Algebra vor: Man setze die Ziffern von 0 bis 9 auf beliebige Weise in die Lehrstellen der Ziffernfolge 5_383_8_2_936_5_8_203_9_3_76. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß die entstehende Zahl durch 396 teilbar ist? Zu ihrer Lösung benötigt man Regeln, die in der Schule nur am Rande behandelt werden. Bei den ebenfalls zahlreich vertretenen Logik- und Kalenderproblemen („Wieviele Freitage im Jahr können auf einen 13. fallen?“) braucht man dann mehr Fleiß als Intelligenz, um zum Ziel zu gelangen. Häufig sind mehrere Fälle zu untersuchen, was die Lösungen ziemlich umfangreich macht. Andere Aufgaben erfordern einen Geistesblitz; wer den nicht hat oder wem die Geduld ausgeht, der kann immer noch hinten im Buch die Lösungen samt Zeichnung nachschlagen.

Wer Spaß am mathematischen Denken hat, kommt hier ebenso auf seine Kosten wie derjenige, der vorrangig knobeln möchte und dazu eine witzige Verpackung zu schätzen weiß. Höhere Mathematik ist nicht erforderlich; vielmehr ist es reizvoll zu sehen, daß die Formeln und Regeln aus der Schule eben nicht nur für Schulbuchaufgaben, sondern auch für Probleme des Alltags brauchbar sind.

Zum Auffrischen angestaubter Mathematikkenntnisse ist das Buch allerdings ungeeignet. Wer Formeln wie die für den Kreisumfang nicht parat hat, läuft Gefahr, bei jeder fünften Aufgabe zu scheitern.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 1999, Seite 84
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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