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Architektur: Maurer mit Latein

Adolf Loos war ein Pionier der Moderne, ein streitbarer Kulturkritiker und weithin geachteter Architekt – nur glücklich war er nicht. Ein Porträt zum 75. Todestag
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dolf Loos wird oft und gern zitiert. So gern, dass oft der Eindruck entsteht, er habe nicht wirklich gelebt, sondern sei lediglich eine fabelhaf­te Erfindung der Kulturgeschichte. Ein Collagenmensch, der aus lauter schönen Sprüchen von und über ihn zusammengeklebt worden ist. Die hübschen Sprüche sind – welch ein Treppenwitz der Kulturgeschichte – nichts anderes als Ornamente.

Mein Lieblingszitat von Loos (1870–1933) ist dieses: »Eine veränderung, die keine verbesserung ist, ist eine verschlechterung.« Ich zitiere es bei jeder passenden Gelegenheit und habe großen Erfolg. Vor allem bei Frauen. Looszitate haben Sex-Appeal. Cherchez la femme! Er selbst war dreimal verheiratet und einmal fast. Mit lauter schönen, jungen Frauen. Die schönste unter ihnen war die Tänzerin Elisabeth Bruce, genannt Bessie – sie ist diejenige, mit der er nur fast verheiratet war. Die junge Frau aus der Londoner Unterschicht war so etwas wie die Eliza Doolittle des Architekten – und seines Freundes Peter Altenberg (1859–1919). Der war wie Loos ein Wiener Dandy, und wie dieser begehrte er Bessie leidenschaftlich, allerdings vergeblich.
05/08

Dieser Artikel ist enthalten in epoc 05/08

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