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Neurowissenschaft: Hilfe für autistische Kinder

Autismus und ähnliche Störungen stellen bislang ein medizinisches Rätsel ohne Aussicht auf Heilung dar. Doch einige Therapien haben sich inzwischen bewährt - und weitere befinden sich in Erprobung.

Jayden war 14 Monate alt, als seine Eltern Adrianna und Jermaine Hannon zum ersten Mal das Gefühl hatten, mit ihm könnte etwas nicht stimmen. Ihr Sohn beschäftigte sich fast ausschließlich mit Spielzeugautos, wobei er unablässig ihre Räder drehte – in einem Alter, in dem Kinder meist rasch von einer Tätigkeit zur anderen wechseln. Zudem reihte Jayden Autos, Zeitschriften oder Bausteine in möglichst geraden Linien aneinander, anstatt sie wie Gleichaltrige zu stapeln.

Seit seinem ersten Geburtstag hatte Jayden Sprechversuche unternommen; mit 16 Monaten wurden sie zunehmend seltener. Auch sah er andere Familienmitglieder kaum noch an, wenn sie ihn riefen. Als versehentlich ein großer Topf direkt neben dem Jungen zu Boden fiel, reagierte dieser überhaupt nicht. Der Kinderarzt versicherte Adrianna, sie brauche sich nicht wegen Jaydens Verhalten zu sorgen, da sich gerade Jungen in Schüben entwickeln und auch oft erst später sprechen lernen als Mädchen. Er riet lediglich zu einem Hörtest, der aber keinerlei Auffälligkeiten erkennen ließ.

Im Alter von 18 Monaten musste Jayden wegen 40 Grad hohen Fiebers in die Notaufnahme. Die Ursache dafür blieb trotz einer umfassenden medizinischen Untersuchung unklar. Letztendlich sank seine Körpertemperatur zwar wieder ab, doch seitdem sprach Jayden kein einziges Wort mehr. Er reagierte auch nicht mehr auf seinen Namen und nahm nur noch zur Mutter Blickkontakt auf. Wollte er etwas haben, ergriff er Adriannas oder Jermaines Hand und brachte sie wortlos zum gewünschten Objekt. Räder von Spielzeugautos faszinierten ihn weiterhin; er rollte sie pausenlos hin und her. Ebenso fesselte ihn ein Micky-Maus-Video, das er auf dem iPad ständig abspielte.

Schließlich entschlossen sich Jaydens Eltern, ihn in eine Klinik zu bringen, die sich auf Störungen aus dem Autismusspektrum spezialisiert hat. Betroffene Kinder zeichnen sich durch dauerhafte Defizite in ihrer sozialen Kommunikation und Interaktion aus sowie durch einen Hang zu repetitiven Verhaltensweisen, wie etwa Vor- und Zurückschaukeln oder das ständige Wiederholen von bestimmten Lauten.

Nachdem ein Psychologe der Klinik Jaydens Verhalten über mehrere Stunden hinweg beobachtet hatte, bestätigte er den Verdacht der Eltern: Der Junge leidet tatsächlich an Autismus …

8/2014

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2014

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  • Quellen und Literaturtipps

Dawson, G. et al.: Early Behavioral Intervention Is Associated with Normalized Brain Activity in Young Children with Autism. In: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry 51, S. 1150-1159, 2012

Matsunami, N. et al.: Identification of Rare Recurrent Copy Number Variants in High-Risk Autism Families and Their Prevalence in a Large ASD Population. In: PLoS One 8, e52239, 2013

Rogers, S. J., Dawson, G.: Early Start Denver Model for Young Children with Autism. Guilford Press, New York 2010.
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Snippe, K.: Autismus: Wege in die Sprache. Schulz-Kirchner, Idstein 2013.
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