Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Biologie: Mehr als der Mülleimer der Zelle

Störungen der Lysosomen verursachen nicht nur spezielle, eher seltene Stoffwechselerkrankungen. Sie tragen auch zu häufi­geren Störungen wie Alzheimer und Parkinson bei – ja spielen sogar eine Rolle bei Ebolainfektionen.
Die Grafik einer menschlichen Zelle. Laden...

Die Niemann-Pick-Krankheit Typ C ist eine seltene lysosomale Speicherkrankheit, die einen von 150 000 Menschen betrifft. In fast allen Fällen – etwa 95 Prozent – wird sie von einem Defekt im NPC1-Gen ver­ursacht. Die Mutation führt dazu, dass sich im gesam­ten Organismus Cholesterin ansammelt, und zwar in den Lysosomen – jenen Zellorganellen, deren Aufgabe darin besteht, Moleküle zu verdauen und in ihre ­Monomere zu zersetzen. Die Cholesterinanhäufung hat verheerende Folgen: Betroffene werden nur selten älter als 20 Jahre.

Auf den ersten Blick scheint die Niemann-Pick-Krankheit kaum etwas mit dem Ebolafieber zu tun zu haben, das durch Körperflüssigkeiten übertragen wird und zwischen 2014 und 2016 in Westafrika mehr als 11 000 Menschen tötete. Wie sich aber herausgestellt hat, gibt es eine Verbindung zwischen den beiden, und sie birgt vielleicht die Chance, die Übertragung des Virus zu unterbinden: Menschliche Zellen, denen das NPC1-Gen fehlt, sind gegen Ebola immun.

Es war eine riesige Überraschung, als sich im Jahr 2011 herausstellte: Der Rezeptor, an den das Ebolavirus andockt, sitzt nicht auf der Zelloberfläche. Er befindet sich in der Zelle, und zwar sogar innerhalb der Lysosomen, wie die Zellbiologin Fran Platt von der University of Oxford dargelegt hat. Noch vor zehn Jahren galten diese Zell­organellen als wenig bemerkenswert; Wissenschaftler sahen in ihnen kaum mehr als einen Behälter für Verdauungs­enzyme. Das hat sich grundlegend geändert.

"Die Bedeutung der Lysosomen erscheint heute in völlig anderem Licht als früher", sagt der Neurowissenschaftler Steven Walkley vom Albert Einstein College of Medicine in New York, der sowohl über lysosomale Speicherkrankheiten (LSK) als auch über Ebola forscht. Die Organelle sei einer der wichtigsten Akteure im zellulären Geschehen. In den zurückliegenden Jahren ist den Wissenschaftlern klar geworden, dass Lysosomen nicht nur unerwünschte Mole­küle und alte Zellbestandteile ver­dauen, sondern ebenso für den Zellstoffwechsel und das Detektieren von Aminosäuren von Bedeutung sind ...

Mai 2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Mai 2017

Kennen Sie schon …

Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 3/2019

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 3/2019: Das Immunsystem

Das Immunsystem: Wie es unsere Gesundheit schützt – und bedroht; Grippe - Der blinde Fleck in unserer Abwehr • Immuntherapie - Mit eigenen Zellen gegen Krebs • Zöliakie - So entsteht die Glutenunverträglichkeit

28/2019

Spektrum - Die Woche – 28/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns Alzheimer, einem alten Schädel und den Bienen.

Sport - Warum Bewegung gesund ist

Spektrum Kompakt – Sport - Warum Bewegung gesund ist

Bewegung ist gesund, daran herrscht wohl kein Zweifel. Und die gesundheitsfördernden Effekte reichen weiter, als manche vielleicht denken - von positiven Effekten aufs Immunsystem bis hin zu erfolgreichen Präventionsprogrammen bei Jugendlichen.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!