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Naturschutz

Mensch und Natur - keine Gegner

Arten- und Umweltschützer begreifen nun: Im Mittelpunkt sinnvoller Schutzmaßnahmen muss auch vor allem das menschliche Wohlergehen stehen.
Pinguine
Im Jahr 2004 nahm die Weltnaturschutzunion (IUCN) drei Geier aus Südasien in die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten auf. Noch Anfang der 1990er Jahre gab es von den Bengalen-, den Indien- und den Dünnschnabelgeiern an die 40 Millionen Tiere. Doch jetzt war die Gesamtpopulation der großen Aasfresser plötzlich auf kaum drei Prozent davon geschrumpft. Die übliche Begründung, den höchsten Schutzstatus zu verleihen, klingt vertraut: Wir Menschen fühlen uns moralisch verpflichtet, das Leben in seiner Vielfalt seiner selbst wegen zu erhalten. Aber die Maßnahme lässt sich auch mit weniger gewohnten Argumenten rechtfertigen.

Warum die Bestände dieser Geier in Indien und den Nachbarländern plötzlich zusammenbrachen, blieb jahrelang völlig rätselhaft. War ihr Lebensraum verschwunden? Oder hatte Umweltverschmutzung Schuld? Erst vor wenigen Jahren fand sich die Ursache: Diclofenac, ein auch bei uns viel gebräuchlicher Wirkstoff in entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten. Er bewirkt bei diesen Vögeln Nierenversagen. Die Vögel nahmen ihn an Rinderkadavern auf, die indische Bauern traditionell für Aasfresser liegen lassen. Bis dahin erhielten Kühe dort oft solche Präparate. Nun ist das weit gehend nicht mehr erlaubt.

Dass die Geier fehlen, birgt unerwartete Gesundheitsgefahren für die menschliche Bevölkerung. Denn hunderttausende Kühe verrotten nun in der Sonne – bester Nährboden für den Milzbranderreger. Auch die Tollwutgefahr nimmt zu, weil sich streunende Hunde bei dem reichen Futterangebot stark vermehren. Unser Beispiel zeigt, wie eng das Schicksal von Tierpopulationen mit menschlichem Wohlergehen verknüpft sein kann…
September 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft September 2008

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