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Schule: Mit der Fibel lernen Kinder am besten

Seit Langem streiten Pädagogen darüber, mit welcher Methode sich die deutschen Rechtschreibregeln am besten vermitteln lassen. Eine Untersuchung, die Forscher im September 2018 auf dem 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vorstellten, hat nun einen Sieger ausgemacht: den »Fibelansatz«, bei dem Schulkinder nach einem fest definierten Plan schrittweise Buchstabe für Buchstabe lernen, Wörter in einzelne Laute zerlegen und direkt korrigiert werden, wenn sie Fehler machen.

Ein Team um Tobias Kuhl und Una Röhr-Sendlmeier verglich den Ansatz mit zwei weiteren Methoden, die ebenfalls an deutschen Schulen zum Einsatz kommen: Beim »Lesen durch Schreiben« dürfen Kinder ungestört schreiben üben, ohne Korrekturen befürchten zu müssen – damit sie nicht demotiviert werden. Die dritte Methode, die »Rechtschreibwerkstatt«, gibt Lernmaterialien vor, mit denen sich die Kinder in beliebiger Reihenfolge und selbst gewähltem Tempo beschäftigen.

Kuhl und Röhr-Sendlmeier testeten an zwölf Schulen in Nordrhein-Westfalen zunächst die sprachlichen Vorkenntnisse von rund 2500 Kindern bei der Einschulung. Dann absolvierten die Teilnehmer vom Ende der 1. bis zum Ende der 3. Klasse halbjährlich Diktate und gaben per Fragebogen Auskunft, wie motiviert sie beim Schreiben- und Lesenlernen waren.

Wie die Psychologen berichteten, fielen die Er­gebnisse relativ eindeutig aus: Stets schnitten die »Fibelkinder« besser ab. Am Ende machten Schüler, die »Lesen durch Schreiben« gelernt hatten, gut um die Hälfte mehr Fehler und die Kinder der »Rechtschreibwerkstatt« sogar mehr als doppelt so viele. Die Fibelmethode war sowohl bei Deutschmuttersprachlern als auch bei Schülerinnen und Schülern mit anderer Muttersprache erfolgreicher. Auch den oft gepriesenen Vorteil der weniger strukturierten Ansätze widerlegten die Forscher: »Die Schreib- und Lesemotivation der Kinder scheint nicht im Zusammenhang mit der Didaktik zu stehen.«

12/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2018

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