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Die Phönizier: Mit Geschenken zur Großmacht

Ihr Geschäftssinn sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen – so die gängige Meinung über die Phönizier. Doch in Wahrheit gründete ihre Handelsmacht nicht auf dem Streben nach Profit, sondern auf einer geschickten Politik des Gebens und Nehmens.
Sie waren gewiefte Händler und kühne Seefahrer. Sie gründeten das erste Wirtschaftsimperium der Geschichte und errichteten entlang der Mittelmeerküsten zahlreiche Handelsstützpunkte. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. reichte ihre Macht von der Levante bis zur Straße von Gibraltar. So charakterisiert Robin Cohen von der University of Oxford das Volk der Phönizier in seinem eben erschienenen Buch "Global Diasporas" – und so lautet auch die gängige Meinung über das antike Händlervolk. Sie seien die "Erfinder der Globalisierung" gewesen oder die "Kapitalisten der Antike". 1984 etwa beschrieb Philipp Curtin von der Johns Hopkins University in Baltimore die Westexpansion des antiken Volks als Folge einer im Mittelmeerraum expandierenden Handelsdiaspora: Phönizische Oligarchen oder ihre Stellvertreter hätten wie "Frösche um den Teich" unter Fremden entlang den Küsten des Mittelmeeres gesiedelt, dort ihre Kontore und Warenhäuser errichtet, begehrte Rohstoffe und Güter gekauft, zwischengelagert und bei günstigen Winden ins Mutterland verschifft. Beide Autoren festigten das Bild einer ethnischen und religiösen Minderheit, die auf einen Gewinn bringenden Globalhandel spezialisiert war.

Doch stimmt das? Gründete ihre Macht wirklich allein auf der Gier nach Profit? Tatsächlich behauptete schon der griechische Geograf und Chronist Strabon vor 2000 Jahren, dass sie mit viel Gewinn in Spanien Silber gegen "Glas und Tand" eingetauscht und dann auf dem Heimweg nach Osten wieder verkauft hätten. Strabon bediente sich dabei eines Klischees, das es schon seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. gab. So mokierte sich etwa der Erzähler im 14. Gesang der "Odyssee" darüber, ein phönizischer Reeder habe beabsichtigt, seinen eigenen Gast skrupellos und wider jedes Recht in die Sklaverei zu verkaufen ...

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