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Hellenismus: Ein König, ein Gott, ein Reich

Das Grabheiligtum von Antiochos I. auf dem Gipfel des Nemrud im östlichen Taurosgebirge fußt auf einem ungewöhnlichen Kalkül: Der Herrscher inszenierte sich als Gottkönig, um so die griechisch- und persischstämmigen Bevölkerungsteile durch einen gemeinsamen Kult zu einen.
König Antiochos I. von Kommagene, flankiert von einem Adler. Kolossale Statuen wie diese prägten die Grabstätte des Herrschers auf dem Nemrud im östlichen Taurosgebirge

Als König Antiochos I. von Kommagene 69 v. Chr. den Thron bestieg, erbte er ein von außen und innen bedrohtes Reich. Denn Kommagene gehörte zum einen zu jenen kleinen Euphrat-Königtümern, die eine Pufferzone zwischen dem römischen Imperium im Westen und dem Partherreich im Osten bildeten. Zum anderen bestand seine Bevölkerung aus verschiedenen Ethnien mit unterschiedlichen Kulturen. Es gab Aramäer und Armenier, deren Vorfahren einst in dieses fruchtbare Gebiet gezogen waren; dazu Nachkommen der Hethiter. Vor allem jedoch prallten orientalische und westliche Kultur direkt aufeinander, denn Perser und Griechen stellten die Elite. Erstere wünschten sich eine größere Nähe zum Partherreich, während sich die griechische Gruppe besser beim Römischen Reich aufgehoben fühlte.

Eine schlagkräftige Truppe berittener Bogenschützen und geschicktes Taktieren hielten die beiden Großmächte lange Zeit auf Abstand. So verheiratete Antiochos seine Tochter Laodike mit dem parthischen Herrscher Orodes II., titulierte sich zugleich aber auch als "Freund der Römer und Hellenen". 51 v. Chr. spielte er sogar dem Verwalter der benachbarten römischen Provinz Kilikien, Marcus Tullius Cicero, Informationen über einen bevorstehenden parthischen Einfall in die römische Provinz Syrien zu.

Die Strategie ging auf. Zu Beginn seiner Herrschaft war Antiochos I. noch als Vasall des Tigranes von Armenien Teil einer antirömischen Koalition gewesen und damit auf Seiten der Verlierer. Doch er verstand es offenbar, Kommagenes Nutzen für die Grenzsicherung gegen die Parther darzulegen. Als der römische Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus im Winter 65/64 v. Chr. auf einer Versammlung der Fürsten die politische Landkarte Kleinasiens und des Vorderen Orients neu ordnete, verschonte er Kommagene nicht nur. Er erweiterte Antiochos’ Herrschaftsgebiet sogar um die Stadt Seleukeia am Euphrat, von den Römern Zeugma genannt. Dieser wichtige Flussübergang bescherte dem König lukrative Zolleinnahmen ...

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  • Quellen

Wagner, J. (Hg.): Gottkönige am Euphrat. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Kommagene. Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012

Westfälisches Museum für Archäologie (Hg.): Nemrud Dağ. Neue Methoden der Archäologie. Bönen/Westfalen 1991