Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Moral und Ernährung: »Wer nur nett ist, bewegt nichts«

Viele Menschen halten fleischlose Ernährung für richtig, handeln aber nicht danach. Die Philosophin Friederike Schmitz erklärt, wie es dazu kommt – und warum ethische Kritik am Essverhalten nottut.
Ein Schwein von vielen in der Massentierhaltung

Frau Dr. Schmitz, laut einer »ProVeg«-Umfrage von 2021 lehnen bis zu 70 Prozent der Menschen in Deutschland Massentierhaltung ab, doch nur etwa zwei Prozent leben tatsächlich vegan. Wie kommt dieser Kontrast zu Stande?

Wir sind alle in einer Esskultur groß geworden, in der Fleisch als besonders wertvoll, lecker und kraftspendend galt. Das hat lange Zeit die Kochtradition und ­unser Geschmacksempfinden geprägt. Zugleich wollen aber die allermeisten Menschen nicht, dass Tiere unnötig leiden und sterben. Um trotzdem weiter Produkte von Tieren essen zu können, muss man das damit verbundene Leid verdrängen. Oder man legt sich Gründe zurecht, warum es doch in Ordnung sein soll. Am Ende sind das allerdings Scheinargumente, man macht sich damit selbst etwas vor. Der Zweck ist das, was Psychologen als Dissonanzreduktion bezeichnen.

Hat es nicht vor allem mit Bequemlichkeit zu tun?

Sicher, eigene Gewohnheiten und gesellschaftliche ­Normen haben einen großen Einfluss. Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Eier zu essen ist einfach, günstig und meist der Weg des geringsten Aufwands. Aber genau das muss sich ändern. Denn wer die Realität wirklich mal an sich heranlässt, sieht sofort, dass es so nicht weitergehen kann. Den meisten Menschen ist auch klar, dass Fleischkonsum dem Klima schadet und dass Mil­lionen Rinder, Schweine und Hühner unter grausamen Bedingungen gehalten und »verwertet« werden. Deshalb kommt ja so ein Arsenal an Abwehrmechanismen zum Einsatz: ignorieren, verdrängen, Fleischessen für lebensnotwendig oder »natürlich« erklären, die Tragweite des Problems herunterspielen oder sich mit Ausreden wie einem Bioetikett beruhigen…

Kennen Sie schon …

Spektrum der Wissenschaft – Aktive Materialien - An der Grenze zum Leben

»Materialien sind für uns Menschen essenzieller als Sprache«, sagt Mark Miodownik, Materialwissenschaftler am University College London. Eine steile These? Vielleicht. Doch in der Forschung liegt der Fokus immer stärker auf sogenannten aktiven oder »lebenden« Materialien, die sich mehr oder weniger selbstständig verändern. In unserem Titelthema geben wir Ihnen einen Einblick, welche Chancen sich damit beispielsweise in der Krebsforschung eröffnen. In »Die Jagd nach dem Suprafestkörper« präsentieren wir Ihnen einen starren Kristall, der zugleich flüssig ist – sogar suprafluid! Auf Tauchgang erfahren Sie außerdem, wie bei einem Projekt Seegraswiesen wieder angepflanzt werden. Diese Lebensräume sind nicht nur ökologisch höchst wertvoll, sondern haben sich auch als effiziente Kohlenstoffspeicher erwiesen. Im Kampf gegen den Klimawandel versucht ein Forschungsteam, das Meereis nördlich des Polarkreises mithilfe von Drohnen und Pumpen wiedereinzufrieren. Doch das Projekt ist umstritten - lesen Sie mehr darüber in unserer neuen Ausgabe!

Spektrum Gesundheit – Abnehmen – Warum Sport allein oft nicht reicht

Mehr Sport für weniger Körperfett? Ganz so einfach ist es nicht. Warum Bewegung allein kaum zum Ziel führt, erfahren Sie im Titelthema dieser Ausgabe, dem ersten Beitrag unserer neuen Heftserie »Fitness im Faktencheck«. Außerdem: Fleischersatz und Vitamininfusionen auf dem Prüfstand und mehr.

Spektrum Gesundheit – Sucht – Warum konsumieren Menschen Drogen?

Es gibt viele Wege in die Abhängigkeit. In dieser Ausgabe beleuchten wir, wie Sucht entsteht und warum legale Substanzen dabei besonders gefährlich sind. Außerdem: Was Intervallfasten wirklich bringt, 11 Fakten zur Gürtelrose-Impfung und wann Antibiotika bei einer Erkältung sinnvoll sind.

  • Quellen

Schmitz, F.: Anders satt. Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt. Ventil, 2022

Schmitz, F.: Tiere essen – dürfen wir das? Springer, 2020

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.