Direkt zum Inhalt
Gentechnologie

Moskitos mit Selbstmordgen

Stechmücken mit fremden Genen sollen ganze Populationen ihrer Art vernichten und so eine der verheerendsten Krankheiten unserer Zeit eindämmen: das rasant um sich greifende Denguefieber. In Käfigen funktioniert die Strategie bereits. Dass aber vereinzelt schon transgene Moskitos ausgesetzt wurden, halten selbst viele Forscher für vorschnell.
Aedes ägypti Mücke

Hinter dem kleinen Ort Rio Florido wird die Straße, die durch Soja-, Kakao-, Bananen- und Mangoplantagen führt, zu einem kurvenreichen, holprigen Schlammweg und endet schließlich vor einer bewachten Sperre. Wir befinden uns ganz im Südosten Mexikos nahe der Grenze zu Guatemala bei der Stadt Tapachula. Die Anlage ist mit Stacheldraht umzäunt. Auf einem Warnschild sind ein Mann und eine Frau abgebildet, zwischen ihnen eine Stechmücke. Auf Spanisch steht darauf, dass hier genetisch modifizierte Moskitos gehalten werden, deren Handhabung spezielle Vorsichtsmaßnahmen erfordert. Der Posten lässt uns durch das Tor.

Drinnen beschatten Cashewbäume eine Plattform voller großer Käfige, die mit Gaze verhüllt sind (siehe Bild S. 37). In ihnen tummeln sich Unmengen Gelbfiebermücken, auch Ägyptische Tigermücken genannt. Wissenschaftlich heißt diese Moskitoart heute meist Stegomyia aegypti, aber viele sprechen noch wie früher von Aedes aegypti. Diese kleinen, kaum hörbaren Mücken sind besonders in den Tropen und Subtropen weit verbreitet und gelten als Hauptüberträger des Denguevirus.

Hier in Südmexiko gehört die Spezies zu den vorherrschenden Stechmücken. In der Versuchsanlage werden genetisch veränderte (»transgene«) Männchen darauf angesetzt, sich mit normalen Weibchen der lokalen Population zu paaren. Die neuen Gene sollen die weibliche Nachkommenschaft außer Gefecht setzen – ein Trick, mit dem sich womöglich das Denguefieber ausrotten ließe und damit eine der problematischsten und schwersten Infektionskrankheiten, deren Häufigkeit derzeit sehr schnell zunimmt. Gelbfiebermücken sind zwar nicht die einzigen, aber die Hauptüberträger dieser bedrohlichen Seuche…

August 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft August 2012

Kennen Sie schon …

Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 2/2017

Spektrum der Wissenschaft – Spezial Biologie - Medizin - Hirnforschung 2/2017: Grenzfragen der Genetik

Gentechnik: Revolution mit CRISPR/Cas • Epigenetik: So vererben sich Umwelteinflüsse • Erbkrankheiten: Irrwege der Evolution

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

  • Quellen und weitere Literaturtipps

Quellen:

Thomas, D. D. et al.: Insect Population Control Using a Dominant, Repressible, Lethal Genetic System. In: Science 287, S. 2474 – 2476, 2000

Wise de Valdez, M. R. et al.: Genetic Elimination of Dengue Vector Mosquitos. In: Proceedings of the National Academy of Sciences USA 108, S. 4772 – 4774, 2011

Literaturtipp:

O’Brochta, D. A., Atkinson, P. W.: Moskitos und Milben nach Maß. In: Spektrum der Wissenschaft 9/1999, S. 36 – 41 Artikel zur Gentechnik an Schadinsekten und Krankheitsüberträgern und zu anderen Methoden der Bekämpfung