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Kreativität: Musik stört beim Denken

Hartnäckig hält sich der Glaube, Musik würde uns beim Bewältigen von Aufgaben helfen, womöglich sogar unsere Kreativität beflügeln. Eine Untersuchung von Psychologen um Emma Threadgold von der britischen University of Central Lancashire zieht diese These nun in Zweifel: Tatsächlich scheint eine musikalische Untermalung beim Problemlösen eher hinderlich zu sein.

Threadgold und ihr Team stellten ihre Versuchspersonen vor eine Aufgabe, bei der diese jeweils drei Wörter gezeigt bekamen, zu denen sie ein viertes Wort finden sollten, das sich mit allen drei Begriffen verbinden lässt (so wird im Englischen zum Beispiel aus den Wörtern »dress«, »dial« und »flower« gemeinsam mit dem Wort »sun« »sundress« (Sommerkleid), »sundial« (Sonnenuhr) und »sunflower« (Sonnenblume)). Manche Teilnehmer lösten die Aufgabe in einem ruhigen Raum, andere in einer Bibliothek mit leisen Hintergrundgeräuschen. Die übrigen Probanden hörten Musik beim Lösen der Aufgabe.

Dabei zeigte sich: Personen, die den Test mit Musik im Hintergrund absolvieren mussten, schnitten schlechter ab. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um ein Instrumentalstück, ein Lied mit einem Text in einer fremden Sprache oder aber um einen vertrauten Song handelte. Auch ob die Teilnehmer die Lieder mochten und eigenen Angaben zufolge häufig mit Musik im Hintergrund arbeiteten oder lernten, tat nichts zur Sache.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Klänge das verbale Arbeitsgedächtnis stören. Für andere Hintergrundgeräusche, wie sie zum Beispiel in der Bibliothek vorkommen, scheint das nicht zu gelten: Sie hatten im Experiment keinen Einfluss auf die Leistung der Probanden.

5/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2019

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  • Quelle
Applied Cognitive Psychology 10.1002/acp.3532, 2019