Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten von Gehirn&Geist frei zugänglich.

Musikerdystonie : Der Fluch der Virtuosen

Keith Emerson, Keyboarder der Band ELP, erlitt am Höhepunkt seiner Karriere immer wieder Handkrämpfe, die sein Instrumentalspiel beeinträchtigten. Ein Schicksal, das viele besonders fleißige und anspruchsvolle Musiker ereilt.
Klavierspiel

Ich war 16 Jahre alt, als 1971 das Live Album »Pictures at an Exhibition« der englischen Progres­sive Rock Band Emerson Lake & Palmer (kurz: ELP) erschien. Die neuen, revolutionären Klänge zogen mich und meine Freunde sofort in ihren Bann. Keith Emerson, der Keyboarder der Gruppe, war ein Ausnahmetalent – er spielte oft zeitgleich am Keyboard, der Orgel und dem Moog-Synthesizer, der ELPs Songs ihren besonderen Klang gab. Emerson galt vielen als treibender Kopf der Band; zahlreiche ELP-Songs stammen aus seiner Feder, und er komponierte zudem mehrere Film-Soundtracks und adaptierte klassische Musikstücke als Rocksongs.

So talentiert Emerson war, so hart arbeitete er an seinen Fertigkeiten. Sein forderndes Programm brachte ihm nicht nur Ruhm und Anerkennung – es trug auch zu den Bewegungsstörungen bei, die ihn in seinem späteren Leben ereilen sollten. Ab den 1990er Jahren kämpfte der Musiker immer wieder mit Krämpfen und Nervenschäden in seiner rechten Hand. 1993 unterbrach er seine Musikkarriere für ein Jahr und unterzog sich einer Operation an seinem erkrankten Arm. In seiner 2003 erschienenen Autobiografie schrieb er über die Sorgen, Ängste und die körperlichen Beschwerden, die ihn zu der Zeit quälten. Sein Zustand besserte sich, und in den frühen 2000er Jahren konnte er wieder fast ohne Einschränkungen spielen. Die Krämpfe begleiteten ihn allerdings weiterhin; sie machten dem Musiker professionell, aber auch persönlich zu schaffen …

12/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2018

Kennen Sie schon …

Musik - Klangvoller Genuss und Therapie

Spektrum Kompakt – Musik - Klangvoller Genuss und Therapie

Musik ist weit mehr als nur klangvoller Genuss: Sie hält Körper und Gehirn auf Trab und ist ein fester Bestandteil vieler Therapieansätze.

Ratgeber 3/2016

Gehirn&Geist – Ratgeber 3/2016: Psychosomatik

Dissoziation: Wenn sich das Ich fremd anfühlt • Stress: Warum Haut und Herz leiden • Spezial Ernährung: Wie der Darm die Psyche stärkt • Therapie: Mit Neurofeedback Schmerzen lindern

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Literaturtipps und Quellen

Literaturtipps

Altenmüller, E.: Vom Neandertal in die Philharmonie. Warum der Mensch ohne Musik nicht leben kann. Springer, Berlin, Heidelberg 2018

In seinem neuen Buch schreibt Eckart Altenmüller über den Einfluss der Musik auf den Menschen.

Emerson, K.: Pictures of an Exhibitionist. John Blake, London 2004

Keith Emersons Autobiografie behandelt auch seinen Kampf mit der Musikerdystonie.

Quellen

Altenmüller, E., Jabusch, H.-C.: Focal Dystonia in Musicians: Phenomenology, Pathophysiology and Triggering Factors, and Treatment. In: Medical Problems of Performing Artists 25, S. 3–9, 2010

Furuya, S., Altenmüller, E.: Finger-Specific Loss of Independent Control of Movements in Musicians with Focal Dystonia. In: Neuroscience 247, S. 152–163, 2013

Furuya S. et al.: Surmounting Retraining Limits in Musicians’ Dystonia by Transcranial Stimulation. In: Annals of Neurology, 75, S. 700–707, 2014

Paulig, J. et al.: Sensory Trick Phenomenon Improves Motor Control in Pianists with Dystonia: Prognostic Value of Glove-Effect. In: Frontiers in Psychology 5, 1012, 2014

Schmidt A. et al.: Etiology of Musician’s Dystonia: Familial or Environmental? In: Neurology 72, S. 1248–1254, 2009

Strübing F. et al.: Error Monitoring is Altered in Musician's Dystonia: Evidence from ERP-based Studies. In: Annals of the New York Academy of Science, 1252, S. 192-199 , 2012