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Nachgehakt: Der Leoniden-Flop



Als für die Abendstunden des 17. November 1998 ein heftiger Meteorschauer angekündigt wurde, war die Erwartung groß. Etwa eine Stunde lang sollte es aus dem Sternbild Leo (Löwe) Sternschnuppen regnen. Doch wer abends zum Himmel aufblickte, wurde enttäuscht. Das Leoniden-Feuerwerk hatte die Natur bereits am frühen Morgen abgebrannt, als kaum jemand hinsah. Tags darauf waren die Medien voll des Spottes: Die Astronomen hätten sich schlicht und einfach um 16 Stunden verrechnet.

Hatten sie das wirklich? Jein. Hinsichtlich seiner Vorhersagbarkeit unterscheidet sich ein Meteorschauer grundlegend von anderen astronomischen Ereignissen wie etwa dem Auf- und Untergang von Sonne und Mond oder dem Eintritt von Finsternissen, die sich auf die Sekunde genau berechnen lassen. Die großen Himmelskörper bewegen sich auf Bahnen, die strengen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind. Auslöser eines Meteorschauers hingegen ist ein Komet, der in Sonnennähe sandkorn- bis murmelgroße Staubpartikel verliert, die sich dann langsam entlang seiner Bahn ausbreiten. Durchdringt die Erde an einer Stelle diesen Partikelschlauch, kollidiert sie mit Staubkörnchen, die dann in der Atmosphäre spektakulär verglühen.

Sowohl die Freisetzung der Staubteilchen als auch ihre Verteilung entlang der Kometenbahn ist komplizierten Einflüssen unterworfen. Ihre Bewegung wird nicht nur von den Regeln der Himmelsmechanik bestimmt, sondern zum Beispiel auch vom Strahlungsdruck des Sonnenlichts. Deshalb lassen sich der Zeitpunkt des Maximums eines Meteorschauers und die Anzahl der zu erwartenden Sternschnuppen nur ungefähr angeben. In ihren Prognosen haben die Astronomen dies stets betont. Unschärfen und Wahrscheinlichkeiten haben jedoch in der Berichterstattung vieler Medien keinen Platz. Festzuhalten ist jedenfalls, daß die Leoniden nur in der öffentlichen Wahrnehmung floppten. Die Kritik an den Astronomen fällt auf diejenigen Medien zurück, die Meldungen stets sensationell vermarkten wollen.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999, Seite 107
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 1999

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 1999

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