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Geistesblitze: Nachtmilch macht müde

Wer frische Milch direkt beim Bauern kauft, hat vielleicht schon einmal nachgefragt, wo die Kühe weiden. Noch eine weitere Auskunft könnte aber interessant sein: wann der Bauer seine Tiere melkt. Denn die Milch von Kühen, die in der Nacht gemolken wurden, enthält besonders viele natürliche Beruhigungsmittel – und scheint dementsprechend auch müde zu machen. Das geht zumindest aus einer Studie an Mäusen hervor, die ein Team um Irene Joy I. dela Peña von der Sahmyook University in Seoul durchgeführt hat.

Die Wissenschaftler gaben den Nagern in ihrem Versuch Kuhmilch zu trinken, die bei Nacht gemolken worden war, und beobachteten anschließend, ob sich die Tiere ruhiger verhielten oder eher einschliefen als andere Artgenossen, die "Tagmilch" oder gar keine Milch bekommen hatten. Das sei tatsächlich der Fall gewesen, berichten die Wissenschaftler. Zudem verstärkte die "Nachtmilch" auch die Wirkung eines Schlafmittels.

Die erst zu später Stunde gewonnene Milch enthielt zehnmal so viel Melatonin wie die der am Tag gemolkenen Kühe. Melatonin ist auch beim Menschen eines der wichtigsten Hormone zur Steuerung des Tag- Nacht-Rhythmus. Zudem ließ sich 24 Prozent mehr Tryptophan nachweisen, ein chemischer Vorläufer des Melatonins und des ebenfalls beruhigend wirkenden Botenstoffs Serotonin.

Auch handelsübliche Milch verfügt über die beiden Inhaltsstoffe und gilt bekanntlich als bewährtes Hausmittel zur Förderung des Schlafs. Ob wir künftig bei Schlafstörungen zu besonders beruhigender "Nachtmilch" greifen sollten, ist aber unklar. Die Wirkung der bei Nacht gemolkenen Milch auf den Menschen haben die Forscher noch nicht getestet. (jd)

J. Med. Food 18, S. 1255–1261, 2015

3/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2016

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