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Naturbeobachtung: Blüten und Bänder aus Eis

Wasser kann an Pflanzen zu erstaunlichen Gebilden gefrieren. Die Ursachen sind bislang kaum erforscht.
Blüten aus Eis

Ein Spaziergang an einem frostigen Wintermorgen ist zwar nicht jedermanns Sache, mitunter lohnen aber fragile Eisskulpturen an den Stängeln meist abgestorbener Pflanzen die Mühe. So entdeckte ich 2005 Eisformationen vom Auto aus am frisch gemähten Straßenrand. Die Gebilde begleiteten mich auf der gesamten Fahrt durch Kentucky. Offensichtlich herrschte überall die richtige Kombination aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den passenden Pflanzenarten.

Seit gut zehn Jahren untersuche ich dieses Phänomen. Von einer Fundstelle in Tennessee sammelte ich im Jahr darauf Samen von Verbesina virginica und konnte dann im folgenden Winter Studien in meinem eigenen Garten anstellen. Freilich darf ich nicht den Anspruch erheben, als Erster darauf gestoßen zu sein. Einige Pflanzenarten, an denen Eisgebilde entstehen, sind in den Vereinigten Staaten seit Langem unter Namen wie "frostweed" oder "frost plant" bekannt, und schon im frühen 19. Jahrhundert publizierten Wissenschaftler entsprechende Beobachtungen. Ein bemerkenswerter Bericht stammt von Sir John F. W. Herschel, dem Sohn jenes Astronomen, der den Planeten Uranus entdeckt hat. 1833 veröffentlichte er eine bebilderte Arbeit in der Zeitschrift "The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journal of Science". Darin beschrieb er Eisgebilde als "band- oder hemdkrausenartige wellenförmige Masse, die scheinbar aus Längsrissen des Stiels im weichen Zustande hervorgequollen war. Die Bänder hatten eine glänzende seidenartige Oberfläche und ein faseriges Gefüge."

Im Jahr 1850 ergänzte der Mediziner und Naturforscher John LeConte von der University of Georgia diese Angaben im gleichen Magazin. Demnach bildeten sowohl intakte als auch abgeschnittene Stiele das Eis. Obwohl er nicht ausschließen konnte, dass die Wurzeln noch nicht abgestorben waren, schien ihm die Physiologie der Pflanze keine Rolle zu spielen. LeContes Schilderung war im wahrsten Wortsinne recht blumig: "Aus der Distanz ähneln sie aufgesprungenen Baumwollkapseln; sie erreichen zehn bis zwölf Zentimeter im Durchmesser und befinden sich unten am Stängel; mehrere gleichzeitig wirken eindrucksvoll und wunderschön." …

Januar 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Januar 2014

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