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Neandertaler: Menschen wie wir

Primitiv und grobschlächtig seien sie gewesen: So lautete lange die Lehrmeinung über Neandertaler. Inzwischen ist diese These nicht mehr haltbar. Vor allem Überreste aus Kroatien zeigen, dass die Frühmenschen mehr mit Homo sapiens gemeinsam hatten als bisher angenommen.
Frühe Europäerin. Modell einer Neandertalerin.

Schimpft jemand einen Mitmenschen »Neandertaler«, weiß jeder, was gemeint ist: Der Betreffende sei primitiv, dumm und grobschlächtig. Mag diese Menschenform vor 350 000 bis 30 000 Jahren Eurasien bevölkert und den Unbilden der Kaltzeiten getrotzt haben – dem Homo ­sapiens seien sie dennoch weit unterlegen gewesen. So lautete lange die Lehrmeinung. Längst entlarven zahlreiche Studien solche Thesen als falsch. Wie Fundstellen in Eura­sien bezeugen, erfanden auch Neandertaler neue Techno­logien, nutzten komplexe Strategien zur Wildbeuterei und waren fähig, Objekte mit symbolischen Bedeutungen zu belegen.

Davon sind indes nicht alle Forscher überzeugt. Die Frühmenschen hätten das fortschrittliche Verhalten und neue Technologien nicht selbst entwickelt, sondern von ihren Vettern, den anatomisch modernen Menschen, übernommen. An den Funden aus Krapina im Nordwesten Kroatiens können wir jedoch zeigen, dass diese Vermutung nicht stimmt. Die Neandertaler haben die genannten Leistungen eigenständig erbracht – zehntausende Jahre bevor der moderne Mensch in diese Region kam …

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  • Quellen

Frayer, D. W. et al.: Krapina and the case for Neandertal symbolic behavior. Current Anthropology 61, 2020

Leder, D. et al.: A 51,000-year-old engraved bone reveals Neanderthals. Nature Ecology and Evolution 5, 2021

Mahoney, P. et al.: Growth of Neanderthal infants from Krapina (120–130 ka), Croatia. Proceedings of the Royal Society B 288, 2021

Radovčić, D. et al.: An interesting rock from Krapina. Comptes Rendus Palevol 15, 2016

Radovčić, D. et al.: Surface analysis of an eagle talon from Krapina. Scientific Reports 10, 2020