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Editorial: Neue Blicke auf die Vergangenheit

Hätten die Nazis eine Atombombe bauen können? Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich als Jugendlicher für diese Frage interessierte und auch jene Haigerlocher Anlage besichtigte, in der die Forscher des "Uranvereins" 1945 ihre letzten Experimente durchführten. Von damals blieb mir im Gedächtnis, eine "deutsche Atombombe" wäre durchaus rea­lisierbar gewesen. Später irritierte mich, wie solche Aussagen oft zwischen demonstrativer Erleichterung und heimlichem Stolz über die Weltklasse deutscher Wissenschaft changierten.

Tatsächlich war es über Jahrzehnte eine dominierende Ansicht in der Wissenschaftsgeschichte, die im "Dritten Reich" verbliebenen Physiker hätten schon gewusst, wie man eine Bombe baut, aber die Umsetzung sei an der Machbarkeit gescheitert. So hätten etwa die Ressourcen während des Kriegs nicht für ein solch gigantisches Projekt gereicht.

Jetzt räumt Manfred Popp, ein führender Kernphysiker und der langjährige Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Karlsruhe (heute Teil des Karlsruher Instituts für Technologie, KIT), mit dieser Sichtweise auf. Sein gründliches Studium aller verfügbaren Unterlagen und Dokumente lässt nur einen Schluss zu: Die Physiker um Nobelpreisträger Werner Heisenberg hatten keinen Schimmer. Vor allem erkannten sie nicht den entscheidenden Unterschied zwischen einem explodierenden Kernreaktor und einer echten Bombe mit maximaler Sprengkraft, der mir als Nichtphysiker zugegebener­maßen bisher auch nicht geläufig war. Ab S. 12 können Sie den spannenden Bericht unseres Autors lesen – und falls nötig diese Wissenslücke ebenfalls schließen.

Noch viel weiter zurück in die Geschichte führt uns der Artikel ab S. 66. Er zieht ein Fazit der kürzlich abgeschlossenen archäologischen Grabungen an einem Ruinenhügel nahe den Dardanellen in der heutigen Westtürkei. Dort soll das legendäre Troja gelegen haben, das Homer in seinen Epen besang. Die Archäologen haben fast drei Jahrzehnte lang eine beeindruckende Menge an Informationen zusammengetragen und dabei überraschende Erkenntnisse über die Region und die unruhige Zeit um 1200 v. Chr. gewonnen. Was genau das Troja Homers war und ob es dieses historisch überhaupt gab, wissen sie allerdings immer noch nicht.

Herzlich, Ihr

Hartwig Hanser

Dezember 2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2016

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