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Anthropologie: Neues vom Hobbit

Die kürzlich entdeckten Zwergmenschen ("Hobbits") von der indonesischen Insel Flores erscheinen noch seltsamer als bisher angenommen. Vielleicht müssen die Anthropologen nun manche Modelle zur Evolution des Menschen revidieren.
Neues vom Hobbit
Als die Entdecker den Fund im Jahr 2004 bekannt gaben, machte er Schlagzeilen. In der Liang-Bua-Höhle auf der indonesischen Insel Flores hatten australische und indonesische Wissenschaftler Skelettteile einer nur gut einen Meter großen Frau ausgegraben, deren Gehirn ein Drittel so groß war wie das unsere. In die Wissenschaft fand das seltsame Skelett Eingang als LB1. Doch berühmt wurde es bald als "Hobbit", nach fiktiven Zwergenwesen des englischen Schriftstellers J. R. R. Tolkien.

Die Forscher, die am selben Ort Knochenreste weiterer Individuen geborgen hatten, dachten an eine neue Menschenart und tauften sie Homo floresiensis. Am ehesten, folgerten sie, handelte es sich um einen Abzweig der Spezies Homo erectus, der nach damaliger Kenntnis ersten Menschenart, die außerhalb Afrikas aufgetreten war. Die kleine Statur führten sie auf die inselbedingte Ressourcenknappheit zurück. In etlichen Fällen waren Säugetiere auf Inseln mit der Zeit kleiner geworden, doch waren solche Fälle für Menschen bis dahin nicht bekannt.

In der Paläoanthropologie verursachte der Fund einigen Aufruhr (siehe SdW 3/2005, S. 30). Spektakulär war daran ja nicht nur, dass der Floresmensch das erste Beispiel für einen Inselzwergwuchs beim Menschen darstellen sollte. Er schien überdies eine Grundfeste der Menschenevolution einzureißen – die Tendenz zu einem immer größeren Gehirn. Aber nun ein Schrumpfen bis auf fast die Größe eines Schimpansenhirns?

Bei den Menschenknochen kamen zudem Steinwerkzeuge zu Tage, etwa Geräte zum Jagen und Zerlegen von Tieren sowie Überreste von Herdfeuern – alles Zeichen recht hoch entwickelten Verhaltens, die man solch kleinhirnigen Wesen eigentlich nicht zugetraut hätte. Rätsel gibt besonders auch das geringe Alter der Knochen auf: Dieser Mensch lebte vor nur 18 000 Jahren. Damals waren die Neandertaler und der Homo erectus längst von der Erde verschwunden, und der Homo sapiens, der so genannte moderne Mensch, hatte sich breitgemacht. Auf Kritik von anderen Fachleuten mussten die Forscher nicht lange warten. Es hieß, jenes Individuum sei in Wirklichkeit nur ein moderner Mensch gewesen, der wegen einer Krankheit im Wachstum zurückgeblieben war. Die Palette der Erklärungsvorschläge reichte von Kretinismus bis hin zum Laron-Syndrom (einer genetisch bedingten Unempfindlichkeit gegenüber dem Wachstumshormon). Gegen sämtliche kritischen Stimmen fand die Pro-Hobbit- Gruppe jedoch ihrerseits triftige Argumente...

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