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Geistesblitze - Schizophrenie: Neuronenmangel - die Wurzel der Kontaktscheu?

Typisch für eine Schizophrenie sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Doch damit einher gehen häufig so genannte Negativsymptome: Die Betroffenen sind antriebslos, fühlen wenig und ziehen sich sozial zurück. Dieses reduzierte Erleben könnte in einem Nervenzellverlust im Hippocampus, dem Gedächtnis- und Navigationszentrum des Gehirns, wurzeln. Darauf deutet jedenfalls ein Versuch mit Mäusen hin. Joseph Gogos von der Columbia University und seine Kollegen untersuchten genetisch veränderte Mäuse, die unter anderem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie besaßen. Im Gehirn der Nager fanden sie in der CA2-Region des Hippocampus weniger hemmende Neurone als bei Kontrolltieren, die nicht genetisch vorbelastet waren. Verhaltenstests offenbarten, dass die Mäuse die Gesellschaft anderer Artgenossen mieden und über ein schlechteres soziales Gedächtnis verfügten. Die Probleme traten in den meisten Fällen dann auf, wenn die Nager das junge Erwachsenenalter erreichten – ähnlich wie es auch bei Menschen mit Schizophrenie häufig der Fall ist.

Die CA2-Region im Hippocampus wird mit dem Hormon Vasopressin in Verbindung gebracht, das einen Einfluss auf Sozial- und Sexualverhalten sowie Motivation hat. Die Forscher glauben daher, dass Beeinträchtigungen dieses Areals vielleicht mit den Negativsymptomen der Krankheit in Verbindung stehen, die oft schwerer zu behandeln sind als Wahn und Halluzinationen und durch die Einnahme von Neuroleptika häufig noch verstärkt werden.

Schizophrenie im Tierversuch zu untersuchen, ist allerdings schwierig, da man das Krankheitsbild in seiner Gänze nicht abbilden kann. Studien an verstorbenen menschlichen Schizophreniepatienten deuten aber ebenfalls in Richtung eines Nervenzellschwunds im Hippocampus. (dz)

Neuron 89, S. 163–176, 2016

3/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2016

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