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Newton & die Schwerkraft.

Aus dem Englischen von Xenia Osthelder. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1998. 92 Seiten, DM 12,90.

Die Apfelanekdote ist sprichwörtlich geworden: Isaac Newton (1643 bis 1727) sitzt entspannt auf einer Wiese, sieht einen Apfel vom Baum fallen, fragt sich, warum der Mond nicht auf die Erde fällt, und entdeckt durch weiteres Nachdenken eines der bedeutendsten Gesetze der Physik: das der Schwerkraft.

War es wirklich so einfach? Und welcher reale Mensch steckt hinter der Legendenfigur Newton? Paul Strathern, Schriftsteller mit mathematischer und philosophischer Hochschulausbildung, erzählt die Lebensgeschichte dieses berühmten Mannes. Das Buch ist in der Reihe „Köpfe und Ideen“ erschienen, die weltberühmte Wissenschaftler und ihre revolutionären Entdeckungen in kompakter Form vorstellt.

Man erfährt in chronologischer Reihenfolge von Newtons Jugend- und Studienzeit, von seinen umfangreichen Forschungstätigkeiten, natürlich von der Entdeckung des Schwerkraftgesetzes und dessen Veröffentlichung in seinem Monumentalwerk „Principia mathematica“ und von der sich anschließenden Karriere als Wissenschaftler und Direktor der Königlichen Münze. Herzstück des Buches ist jedoch das Jahr 1665/66, als die Universität Cambridge aufgrund der Pestepidemie die Tore schließen mußte und so ihren Studenten, unter ihnen Isaac Newton, verlängerte Semesterferien bescherte. In diesem Jahr, welches in die Wissenschaftsgeschichte als „annus mirabilis“ eingegangen ist, entwickelte Newton neben der Differential- und Integralrechnung und der Theorie von der Spektralzerlegung des weißen Lichtes auch das Gravitationsgesetz.

Um zu verdeutlichen, wie spektakulär Newtons Ideen zu seiner Zeit waren, geht Strathern auf diese für uns alltäglich gewordenen physikalischen und mathematischen Begriffe ein. Anhand vieler Bilder zeigt er sehr anschaulich, was Integral und Ableitung bedeuten, was die Keplerschen Gesetze aussagen, welche Experimente Galilei am schiefen Turm von Pisa durchführte und wie Newton diese Erkenntnisse zum Gesetz der Schwerkraft zusammenfügte.

Neben Newtons wissenschaftlichen Leistungen versucht Strathern dem Leser auch seine Persönlichkeit und seine Rolle in der Gesellschaft nahezubringen. Immer wieder geht er der Frage nach, welche Schicksalsschläge und Lebensumstände zusammenkommen müssen, damit ein Mensch derartige Leistungen vollbringt. Dadurch wird leider hin und wieder der Fluß der Geschichte unterbrochen, und das Buch gerät stellenweise zu einer psychoanalytischen Abhandlung. Alles in allem ist es jedoch eine amüsante, kurzweilige und sehr leichtverständliche Erzählung über das Leben und Wirken eines großen Wissenschaftlers.


Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 1999, Seite 116
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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