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Geruchssinn: »Nichts ist so komplex wie die Welt der Düfte«

Laut der Psychologin Bettina Pause haben Forscher das menschliche Riechvermögen lange vernachlässigt. Tatsächlich beeinflusst der »heimliche Chef« der Sinne, wie intelligent, gesund und glücklich wir sind.

Frau Pause, in Ihrem Buch »Alles Geruchssache« beschreiben Sie, wie der Riechsinn unsere Kommunikation und Intelligenz beeinflusst. Wieso wurde dieser Sinn beim Menschen so lang unterschätzt?

Das liegt zum einen an der philosophischen Tradition, die Welt der Gerüche als etwas Negatives, Animalisches zu betrachten. Das begann bei den alten Griechen und prägte besonders deutlich den Rationalismus und die Aufklärung. Immanuel Kant begriff den Menschen als Wesen der reinen Vernunft, der anders als Tiere einen freien Willen hat und selbstverantwortlich handeln kann. Für ihn war der Geruchsinn etwas, das uns den Emotionen unterwirft und unfrei macht. Wir wollen ja die Krone der Schöpfung sein und nicht auf einer Stufe mit den Tieren stehen. Diese Auffassung durchzieht die kognitive Psychologie bis heute. Selbst die aktuellen Lehrbücher widmen dem Geruchssinn, wenn überhaupt, dann meist nur ein kleines Kapitel und vermitteln zum Teil Erkenntnisse, die aus den 1920er Jahren stammen.

Ist die flüchtige Welt der Düfte nicht besonders schwierig zu erforschen?

Ja, die Methodik ist extrem aufwändig, denn Gerüche haben besondere Eigenschaften. Zum einen ist da die schnelle Habituation zu nennen: Setzen wir Probanden ein paar Mal demselben Duft aus, riechen sie ihn am Ende gar nicht mehr. Zum anderen liegen die Geruchsmoleküle gasförmig vor und lassen sich schwer kontrollieren. Bei Tönen kann ich die Schallfrequenz bestimmen, bei Bildern das Farbspektrum. Das geht bei Duftstoffen nicht. Um mit ihnen zu experimentieren, bedarf es einer komplizierten Apparatur, die man Olfaktometer nennt. Während meiner Zeit als Doktorandin musste ich mir eines selbst bauen, heute kann man ...

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  • Literaturtipp und Quellen

Literaturtipp

Pause, B. M.: Alles Geruchssache. Wie unsere Nase steuert, was wir wollen und wen wir lieben. Piper, 2020 In Ihrem Buch erklärt Pause, warum wir unserer Nase mehr trauen können als den Augen.

Quellen

Pause, B. M. et al.: Reduced olfactory performance in patients with major depression. Journal of Psychiatric Research 35, 2001

Prehn, A. et al.: Chemosensory anxiety signals augment the startle reflex in humans. Neuroscience Letters 394, 2006 Prehn-Kristensen, A.: Induction of empathy by the smell of anxiety. PLOS ONE 4, 2009

Zou, L. et al.: What does the nose know? Olfactory function predicts social network size in human. Nature Scientific Reports 6, 2016