Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Entscheidungen: Ohne Fleiß zum Preis

Entscheiden wir umso besser, je mehr Informationen wir berücksichtigen? Nein, sagt der Psychologe Thorsten Pachur von der Universität Basel. In vielen Situationen bringen einfache Faustregeln sogar mehr als aufwändige Analysen. Erfolgreiche Pokerspieler und Börsenmanager wissen das längst.
Qual der WahlLaden...
Je größer der Aufwand, desto besser das Ergebnis. Diese Maxime prägt unser Denken nicht nur im Sport oder bei technischen Entwicklungen, sondern auch beim Lösen von Alltagsproblemen. Bereits der amerikanische Aufklärer und Erfinder Benjamin Franklin gab 1772 folgenden Rat: Wer vor einer schwierigen Entscheidung steht, sollte alle Gründe für oder gegen jede Option sammeln, sie nach Wichtigkeit sortieren, einander widersprechende Argumente gleichen Gewichts streichen und am Ende jene Handlung wählen, deren Gründe überwiegen.
Nach Franklins "moralischer Algebra" besteht der Königsweg zur besten Wahl also im Sammeln möglichst vieler Informationen, während einfache Faustregeln oder Bauchentscheidungen zwangsläufig zu Fehlern führen. Dieser Grundgedanke erscheint so bestechend logisch, dass Generationen von Moralphilosophen und Kognitionsforschern ihn nie ernsthaft in Zweifel zogen. Erst mit Beginn des Computerzeitalters - und des Kampfs um teure Rechenzeit – gewann die Frage an Bedeutung, ob nicht auch schnelle Lösungswege mitunter zu passablen Ergebnissen führen können ...
Juli/August 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Juli/August 2010

Kennen Sie schon …

6/2017

Gehirn&Geist – 6/2017

In dieser Ausgabe informiert Gehirn und Geist über die psychische Beanspruchung und Stress, wie intelligent Nutztiere sein können und Veränderungen im Gehirn von Eltern. Außerdem: "Schaden Handystrahlen dem Gehirn?" und Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
Ambady, N., Rosenthal, R.: Thin Slices of Behavior as Predictors of Interpersonal Consequences. A Meta-Analysis. In: Psychological Bulletin 111(2), S. 256-274, 1992.

Carrère, S., Gottman, J. M.: Predicting Divorce among Newlyweds from the First Three Minutes of a Marital Conflict Discussion. In: Family Process 38, S. 293-301, 1999.

Dawes, R. M.: The Robust Beauty of Improper Linear Models in Decision Making. In: American Psychologist 34(7), S. 571-582, 1979.

DeMiguel, V. et al.: Optimal Versus Naive Diversification. How Inefficient is the 1/N Portfolio Strategy? In: Review of Financial Studies 22, S. 1915-1953, 2009.

Gigerenzer, G., Brighton, H. J.: Homo Heuristicus. Why Biased Minds Make Better Inferences. In: Topics in Cognitive Science 1(1), S. 107-143, 2009.

Gigerenzer, G., Goldstein, D. G.: Reasoning the Fast and Frugal Way: Models of Bounded Rationality. Psychological Review 103(4), S. 650-669, 1996.

Pachur, T. et al.: The Recognition Heuristic in Memory-Based Inference. Is Recognition a Non-Compensatory Cue? In: Journal of Behavioral Decision Making 21(2), S. 183-210, 2008.

Payne, J. W. et al.: Adaptive Strategy Selection in Decision Making. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 14, S. 534-552, 1988.

Serwe, S., Frings, C.: Who Will Win Wimbledon? The Recognition Heuristic in Predicting Sports Events. In: Journal of Behavioral Decision Making 19(4), S. 321-332, 2006.

Shanteau, J.: How Much Information Does an Expert use? Is it Relevant? In: Acta Psychologica 81(1), S. 75-86, 1992.

Surowiecki, J.: The Wisdom of Crowds. Doubleday, London 2004.

Wübben, M., von Wangenheim, F: Instant Customer Base Analysis. Managerial Heuristics Often "Get It Right". In: Journal of Marketing 72(3), S. 82-93, 2008.