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Biotechnologie: Organersatz aus der Retorte

Im Labor konstruierte lebende Strukturen bewähren sich als Implantat umso besser, je genauer die Bioingenieure Details der Natur nachahmen. Pioniere des Gewebedesigns erörtern wichtige Fortschritte der letzten Jahre.
Künstlich gezüchtete HautLaden...
Hirngespinste!, dachten viele, als zwei von uns (Langer und Vacanti) vor zehn Jahren an dieser Stelle über die Zukunft der Gewebezucht, englisch tissue engineering, schrieben. Wir diskutierten Möglichkeiten, lebende Gewebe mittels Zellen und nichtlebenden Materialien nach technischen Prinzipien für Transplantationen zu konstruieren (siehe SdW-Spezial 4/1999, S. 26). Nach wie vor besteht in der Medizin dringender Bedarf, Organe zu ersetzen, zu reparieren oder ihre Leistung zu verbessern. Allein in den USA verdanken fast 50 Millionen Menschen ihr Leben einer Organersatztherapie im weitesten Sinn. In den Industrienationen dürfte etwa jedem fünften über 65-Jährigen irgendwann solch eine Behandlung zugutekommen.

Die heutigen Methoden von Organersatz, ob eine Transplantation oder die Blutwäsche für Nierenkranke, retten zwar Leben. Aber solche Maßnahmen sind keineswegs eine ideale Lösung und belasten die Patienten stark. Viel besser, weil nebenwirkungsärmer, würden sich auf Betroffene zugeschnittene, auch immunologisch individuell angepasste Biogewebe eignen. Ein weiterer Vorteil von Tissue Engineering: Künstlich hergestellte lebende "Organe auf Mikrochips" wären geeignet, um etwa die Giftigkeit neuer medikamentöser Wirkstoffe auszutesten.

Mancherlei Zuchtgewebe stehen schon zur Verfügung. Sehr vielen Menschen wurde mit Haut- oder Knorpelersatz geholfen. In klinischen Tests werden Gewebe unter anderem für die Harnblase, Bronchien, Blutgefäße und Augenhornhaut erprobt. Die größte Herausforderung ist jedoch, funktionstüchtige komplette Organe herzustellen. Immerhin bringt die Forschung zur Konstruktion komplexerer Gewebe bereits viel versprechende Ergebnisse...
März 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft März 2010

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