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'Orpheus und Eurydike' aus Südafrika



Die Gegend um Sterkfontein in Südafrika hat sich in den letzten Jahren mehrfach als wahre Goldgrube für Paläoanthropologen erwiesen und wird auch als "Wiege der Menschheit" bezeichnet. Nun förderten Forscher um André Keyser von der Universität Witwatersrand in Johannesburg dort den fast vollständigen Schädel eines Frühmenschen zu Tage. Unmittelbar daneben fanden sie einen zweiten, deutlich größeren Unterkiefer, der vermutlich von einem Mann stammt. Da der Schädel wahrscheinlich einer Frau gehörte, wurden die beiden "Orpheus und Eurydike" getauft. Die Forscher ordnen die etwa 1,5 bis 2 Millionen Jahre alten Fundstücke der Art Paranthropus robustus zu, die zu den so genannten Australopithecinen zählt. Über diesen Nebenzweig des menschlichen Stammbaums ist bisher so wenig bekannt, dass die gut erhaltenen neuen Fossilien den Anthropologen erstmals Einblicke in die unterschiedliche Anatomie der beiden Geschlechter erlauben: Während der männliche Schädel, wie sich aus älteren Funden ersehen lässt, einen Scheitelkamm besaß, an dem die Muskeln für den Unterkiefer ansetzten, zeigt der kleinere weibliche Schädel keine solche Struktur – ein Unterschied, wie er auch bei heutigen Gorillas besteht. (South African Journal of Science, Bd. 96, S. 189)


Aus: Spektrum der Wissenschaft 7 / 2000, Seite 27
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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