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Hormontherapie: Oxytozin als Trauma-Notfalltropfen

Oxytozin gilt als "Bindungshormon"; es wird vom Körper etwa bei Hautkontakt und während des Stillens ausgeschüttet. Psychiater der Universität Amsterdam demonstrierten nun in einer Pilotstudie, dass der Botenstoff offenbar auch die psychischen Folgen von traumatischen Erlebnissen abmildern kann.

Die Forscher um Mirjam van Zuiden untersuchten rund 100 Probanden, die sich nach einem potenziell traumatischen Ereignis in eine von drei Amsterdamer Notaufnahmen begeben hatten. In der Mehrzahl hatte es sich dabei um Unfälle gehandelt, in zehn Prozent der Fälle um körperliche Attacken. Wer einwilligte, an der Studie teilzunehmen, wurde innerhalb von zehn Tagen psychologisch untersucht. Spätestens zwölf Tage nach dem Vorfall verabreichten die Forscher dann entweder eine Dosis Oxytozin per Nasenspray oder aber eine Kochsalzlösung ohne Wirkstoff.

In den folgenden sechs Monaten schätzte ein Psychiater wiederholt den seelischen Zustand der Versuchsteilnehmer ein. Zwar zeigte sich nicht bei allen ein schützender Effekt der Behandlung. Jene Probanden aber, die bei der Erstuntersuchung kurz nach dem Ereignis bereits deutliche Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung aufgewiesen hatten, waren sechs Monate später weniger traumatisiert, wenn sie das Hormon statt des Placebos erhalten hatten.

Einen ähnlichen Schutzeffekt haben laut früheren Studien eine kurze psychotherapeutische Behandlung oder die Gabe von Cortisol – Letztere muss aber wenige Stunden nach dem potenziell traumatischen Vorfall erfolgen. Im Gegensatz dazu sei die Behandlung mit Oxytozin flexibler, so die Forscher, und daher besser für den großflächigen Einsatz geeignet, etwa nach Naturkatastrophen.

9/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 9/2017

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  • Quelle
Biol. Psychiatry 81, S. 1030–1040, 2017