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p-Wert : Ein Maß für den Zufall

Jahrhundertelang kamen Naturwissenschaftler ohne Tests der statistischen Signifikanz aus. Bis im Jahr 1908 ein Mitarbeiter der Guinness-Brauerei den Grundstein für einen folgenschweren Irrtum legte.
P-WertLaden...

Am 11. Februar 2016 verkündeten Astrophysiker eine sensationelle Entdeckung: Die zwei LIGO-Observatorien in den USA hatten erstmals ein Signal aus den Tiefen des Alls aufgefangen, das perfekt mit der rund 100 Jahre alten Vorhersage von Gravitationswellen aus Einsteins Relativitätstheorie übereinstimmte. Die Wahrscheinlichkeit, dass das von ihnen entdeckte Muster in den Daten nur zufällig aus dem Rauschen in den ultrafeinen Detektoren entstanden sei, läge nur bei rund eins zu zehn Millionen, sagten die Forscher. Damit sei das Ergebnis höchst signifikant; die Existenz der Gravitationswellen mithin nach den Maßstäben der modernen Astrophysik bewiesen.

Die Signifikanz – also die statistische "Bedeutsamkeit" eines Ergebnisses – wird heutzutage in den Medien und in der Forschung oft so behandelt, als würde sie allein über Wahrheit und Irrtum entscheiden. Dabei ist sie ein vergleichsweise neues Phänomen: Viele der größten Entdeckungen der Naturwissenschaft kamen zu Stande, ohne dass jemand Signifikanzwerte berechnete. Und die vermeintlich fixen Grenzen, in denen sich die Kennzahlen bewegen sollten,beruhen auf reiner Intuition.

Wir schreiben den 20. Mai 1747. Das königlich-britische Marineschiff "Salisbury" patrouilliert an der Biskaya, um eine Seeblockade gegen Frankreich durchzusetzen. In ihrem Bauch trägt sie 50 Kanonen und hunderte Eichenfässer voller Proviant. Die rund 300 Matrosen erhalten stattliche Rationen: Neben Schiffszwieback und Bier sollen Rind- und Schweinefleisch, Erbsen, Haferbrei, Butter und Käse die Männer leistungsfähig halten. ...

11/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2016

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  • Quellen

Bresalier, R. S. et al.: Cardiovascular Events Associated with Rofecoxib in a Colorectal Adenoma Chemoprevention Trial. In: The New England Journal of Medicine 352, S. 1092-1102, 2005

Hughes, R. E.: James Lind and the Cure of Scurvy: An Experimental Approach. In: Medical History 19, S. 342-351, 1975

Shanks, D. R. et al.: Romance, Risk, and Replication: Can Consumer Choices and Risk-Taking be Primed by Mating Motives? In: Journal of Experimental Psychology: General 144, S. e142–e158, 2015