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Bindungsstile in der Partnerschaft: Was Paare zusammenhält

Erfahrungen mit den eigenen Eltern prägen unseren Bindungsstil und beeinflussen so ein Leben lang unser "inneres Modell" von Beziehungen. Es bestimmt, wie wir in Partnerschaften fühlen, denken und handeln - bei Konflikten ebenso wie beim Sex.
Innige GefühleLaden...

Jedes Mal, wenn ihr Mann auf Geschäftsreise ist, gerät Frau A. in Panik. Die Mittdreißigerin ist äußerst eifersüchtig, obwohl er ihr gar ­keinen Anlass zur Sorge gibt. Sie sind beide berufstätig, stehen aber in ständigem SMS-Kontakt. Reagiert er nicht prompt auf ihre Nachrichten, wird sie nervös. Frau A. spürt, wie sehr sie ihren Mann damit belastet, und kann sich selbst nicht erklären, warum sie sich so verhält. Sie wäre gern gelassener, doch es gelingt ihr einfach nicht. Schließlich sucht sie professionelle Hilfe bei einer Psychotherapeutin.

Gemeinsam blicken Klientin und Therapeutin in die Vergangenheit: Wie könnte sich die ­Eifersucht entwickelt haben? Frau A. kann sich kaum an ihre ersten Lebensjahre erinnern. Aber die Fakten sprechen für sich: Ihre Eltern trennten sich unter ungeklärten Umständen, als sie ein Jahr alt war. Danach hat sie ihren Vater nur noch einmal gesehen – da willigte er ein, dass der ­zweite Ehemann der Mutter sie adoptieren ­durfte. Als Frau A. zehn Jahre alt war, starb ihre geliebte Großmutter. Kurz danach bekam ihre Mutter eine zweite Tochter. Die ehemals enge ­Beziehung kühlte ab. Ihren Adoptivvater erlebte Frau A. als Konkurrenten im Wettstreit um die Liebe der Mutter.

Verluste prägten also ihr Leben: Sie verlor ­ihren biologischen Vater, die Großmutter und schließlich auch die enge Beziehung zur Mutter. Noch dazu gewann sie kein positives Bild von ihrem Vater, denn die Mutter sprach meist schlecht von ihm. So ist es nachvollziehbar, dass sie heute in Beziehungen grundlegend verunsichert ist: Sie entwickelte einen "unsicheren Bindungsstil".

Das ergab auch die Diagnostik mit dem Adult Attachment Interview, das unter anderem die Beziehungen zu den wichtigsten Bezugspersonen der Kindheit erfragt. Die Klientin berichtet darin ausführlich über ihre intensiven Gefühle, widerspricht sich dabei aber wiederholt. So beschreibt sie einerseits eine sehr positive, ­andererseits eine schwierige Beziehung zur ­Mutter – als ob sie zwei verschiedene Mütter gehabt hätte. Ihre Geschichte wirkt nicht stimmig; ihr Bindungsstil lässt sich deshalb am besten als "unsicher-­verstrickt" beschreiben, oder anders gesagt: als ambivalent und besitzergreifend.

Mit unsicheren Bindungsmustern gehen Menschen ganz unterschiedlich um ...

6/2014

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 6/2014

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  • Quellen und Literaturtipp

Literaturtipp

K.-H. Brisch (Hrsg.): Bindungen, Paare, Sexualität und Kinder. Klett-Cotta, Stuttgart 2012


Quellen

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Schmitt, D. P. et al.: Are Men Universally More Dismissive than Women? Gender Differences in Romantic Attachment Accross 62 Cultural Regions. In: Personal Relationships 10, S. 307-331, 2003

Simpson, J. A. et al.: Support Seeking and Support Giving within Couples in an Anxiety Provoking Situation: The Role of Attachment Styles. In: Journal of Personality & Social Psychology 62, S. 434-446, 1992

Sydow, K. v.: Bindungstheorie und systemische Therapie. In: Familiendynamik 33, S. 260-273, 2008

Sydow, K. v., Ullmeyer, M.: Paarbeziehung und Bindung: Eine Meta Inhaltsanalyse von 63 Studien, publiziert zwischen 1987 und 1997. In: Psychotherapie, Psychosomatik und Medizinische Psychologie 51, S. 186-188 / T1-T15, 2001