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Forschungsmethoden: Orakel in Zahlen

Die Gütekriterien eines Tests statistisch zu bestimmen, ist mehr als ein Zahlenspiel. Sie geben an, wie viel ein Testergebnis überhaupt aussagt.
Buchcover  Nisbett- Einfach Denken qLaden...

Vor vielen Jahren wünschten sich einer meiner Freunde und seine Frau vergeblich ein Baby. Nach mehrjährigen erfolglosen Versuchen gingen sie schließlich zu einem Spezialisten für Unfruchtbarkeit. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Spermienzahl bei meinem Freund war "zu niedrig, um eine Befruchtung auf normalem Wege zu ermöglichen". Mein Freund fragte den Arzt, wie zuverlässig der Test sei. "Oh, sehr zuverlässig", sagte der Arzt. Damit meinte er: Der Test macht keine Fehler – er liefert den wahren Wert. Der Arzt verwendete den Begriff "zuverlässig" im umgangssprachlichen Sinne von "genau".

Wissenschaftler definieren Zuverlässigkeit oder Reliabilität als das Maß, in dem die wiederholte Messung einer Variablen zu den gleichen Ergebnissen führt, oder der Grad, in dem verschiedene Arten von Messungen einer Variablen die gleichen Ergebnisse erbringen. Messungen der Körpergröße weisen eine Reliabilität von nahezu 1 auf. Die Reliabilität bei IQ-Messungen im Abstand von mehreren Wochen beträgt etwa 0,9. Misst man den IQ mit zwei verschiedenen Tests, liegt die Reliabilität typischerweise bei über 0,8. Zwei Zahnärzte sind sich mit einer Reliabilität von weniger als 0,8 über das Ausmaß von Karies in einem Zahn einig. Das heißt, es kann recht häufig vorkommen, dass Ihr Zahn von Dr. Schmitt mit einer Füllung versehen wird, während Dr. Meier ihn so belassen hätte. Was das betrifft, korrelieren auch die Urteile ein und desselben Zahnarztes zu verschiedenen Zeitpunkten nicht perfekt miteinander. Es kommt vor, dass Dr. Meier am Freitag einen Zahn mit einer Füllung versieht, den er am Dienstag nicht aufgebohrt hätte.

Wie steht es mit der Reliabilität von Spermienzählungen? Die Reliabilität jedes einzelnen Testtyps zur Spermienzählung ist niedrig, und das gilt auch für die Zuverlässigkeit, mit der man bei verschiedenen Messungen das gleiche Ergebnis erhält. Parallel angewandte unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung der Spermienzahl können ganz verschiedene Resultate erbringen ...

6/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 6/2016

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  • Publikation

Dieser Artikel ist ein bearbeiteter Auszug aus "Einfach denken! Wie wir alltägliche Denkfallen vermeiden und die richtigen Entscheidungen treffen" von Richard E. Nisbett, übersetzt von Martina Wiese. Das Buch erscheint am 27. April 2016 im Verlag S. Fischer.