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Porträt: Scharfsinniger Hirnspalter

Schon als junger Neurowissenschaftler ersann ­Roger Sperry ungewöhnliche Experimente, mit denen er die ­Theorien etablierter Kollegen auf den Prüfstand stellte. Sein kritischer Geist und unstillbare Neugier brachten ihm den Nobelpreis ein.
Ein Modell der rechten Gehirnhälfte.

Ein Operationssaal Anfang der 1960er Jahre. Mit einer Säge öffnet der Chirurg die Schädeldecke des Mannes. Dann arbeitet er sich mit der Pinzette nach und nach vor zur Furche zwischen den beiden Hirnhälften. Sein Ziel ist der Balken – die Verbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären, die er schließlich durchtrennt. Nachdem sich der Epilepsiepatient von dem dramatischen Eingriff erholt hat, ­gewinnt der Neurobiologe Roger Sperry ihn für eine Reihe von Tests. Als "Split-Brain-Experimente" gehen sie in die Wissenschaftsgeschichte ein. Für seine bahnbrechenden Resultate erhält er 1981 den Nobelpreis, die Krönung einer Forscherkarriere mit zahlreichen Höhepunkten.

Roger Wolcott Sperry kam am 20. August 1913 in Hartford, Connecticut zur Welt. Er verbrachte seine ersten Lebensjahre auf einer Farm außerhalb Hartfords. Sein Vater war jedoch Banker und legte viel Wert auf Belesenheit und akademische Leistungen. Und er spielte wohl auch eine wichtige Rolle bei der Begegnung des kleinen Roger mit der experimentellen Psychologie. So brachte Sperry senior ihm einmal aus der Bibliothek ein Buch des großen amerikanischen Psychologen und Physiologen William James mit – ein Werk, das den Jungen tief beeindruckte.

Dennoch sah es zunächst nicht danach aus, als würde Sperry den Weg eines Wissenschaftlers einschlagen. Als Jugendlicher lagen seine Interessen auf einem ganz anderen Gebiet: dem Sport. Nach dem frühen Tod des Vaters (da war Roger elf Jahre alt) zog die Familie nach West Hartford um, wo Sperry an der Highschool sogar einen Landesrekord im Speerwerfen aufstellte. Auch als er sich am Oberlin College in Ohio bewarb, gab er als Hauptziel sportliche Ambitionen an; erst an zweiter Stelle nannte er die medizinische Forschung. Weil sich aber schon zu dieser Zeit auch seine intellektuelle Be­gabung offenbarte, erhielt er ein volles Stipendium für vier Jahre ...

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  • Quellen

Bogen, J. E.: Roger Wolcott Sperry (20 August 1913 – 17 April 1994). In: Proceedings of the American Philosophical Society 143, S. 491-500, 1999

Puente, A. E.: Roger W. Sperry: From Neuro-Science to Neuro-Philosophy. In: Stringer, A. Y., Cooley, E. L. (Hg.): Pathways to Prominence: Reflections of 20th Century Neuropsychologists. Psychology Press, Hove (UK) 2002, S. 63-75

Sperry, R. W.: Chemoaffinity in the Orderly Growth of Nerve Fiber Patterns and Connections. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 50, S. 703-710, 1963

Sperry, R.W.: Hemisphere Deconnection and Unity in Conscious Awareness. In: American Psychologist 23, S. 723-733, 1968

Voneida, T. J.: Roger Wolcott Sperry. 20 August 1913 - 17 April 1994: Elected For. Mem. R. S. 1976. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society 43, S. 463-470, 1997