Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Wissenschaftsgeschichte: Professor Sex

Lange bevor jemand mit dem Begriff etwas anfangen konnte, begründete ein fortschrittlicher Arzt die Sexualforschung: Vor 170 Jahren, am 14. August 1840, kam der streitbare Psychiater und Kriminalpsychologe Richard von Krafft-Ebing zur Welt.
Richard Freiherr Krafft von Festenberg alias von Krafft-Ebing (1840-1902)
"Die wenigsten Menschen werden sich vollkommen des gewaltigen Einflusses bewusst, welchen im individuellen und im gesellschaftlichen Dasein das Sexualleben auf Fühlen, Denken und Handeln gewinnt." Mit dieser Bemerkung eröffnete Richard Freiherr von Krafft-Ebing 1886 das Vorwort zur ersten Auflage seines Hauptwerks, der "Psychopathia sexualis". Es sind Worte aus einer fernen Zeit, in der Vorlieben für Lack und Leder, Fesselspiele, ja sogar Homosexualität vielen als pathologische Abarten und Perversionen galten.
Mit der Erforschung der Fassetten menschlicher Sexualität leistete Krafft-Ebing seinerzeit Pionierarbeit. Aber sicher hätte auch ihm der Atem gestockt, hätte er gewusst, wie offen Menschen 100 Jahre nach seinem Wirken in Fernsehtalkshows über ihr Intimleben plaudern. ­Damals noch selbst unter Ärzten tabu, ist die sexuelle "Abweichung" heute gesellschaftsfähig geworden: Sadomasochismus und Fetisch­moden sind Attribute des Lifestyles. Selbst ein Hollywoodstar wie Nicole Kidman kann 2009 im Interview mit der britischen Zeitschrift "Gentlemen's Quarterly" freimütig bekennen: "Ich habe Erfahrungen mit Fetisch-Kram." Die Wortwahl der Australierin bringt den Wandel auf den Punkt: Harmloser kann man sich kaum über sexuelle Paraphilien (Abweichungen) äußern. Die "dunkle Seite" der Erotik hat – solange sie nicht in Verbrechen gipfelt – ihre Bedrohlichkeit verloren, ist zum Teil des modernen Alltags geworden.
Sadismus, Masochismus und Fetischismus sind Begriffe, die heute schon Teenagern geläufig sind. Ihren Schöpfer hingegen kennen die wenigsten ...

Kennen Sie schon …

Spektrum Dossier – Die Macht der Gene

Was vererbt wurde, kann ein ganzes Leben beeinflussen. Trotzdem hängt unser Schicksal nicht nur von Genen ab. »Spektrum Dossier: Die Macht der Gene« zeigt, was unsere Gesichtszüge beeinflusst, welche genetische Vielfalt Autismus zugrunde liegt und dass Musikalität mehr als nur Veranlagung ist.

Gehirn&Geist – Neurologie trifft Psychiatrie: Die Kunst der richtigen Diagnose

Was ist psychisch, was körperlich – und wie verlässlich sind Diagnosen? Wir berichten, warum das psychiatrische Klassifikationssystem reformiert wird und welche Irrtümer die Medizin geprägt haben. Außerdem widmen wir uns der Sinnsuche im Leben, dem Gender-Care-Gap, welche Folgen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft haben kann, Stimmenforensik und geistiger Klarheit kurz vor dem Tod.

Gehirn&Geist – Verbrechen: Die Psychologie des Bösen

Warum faszinieren wahre Verbrechen? True Crime ist ein Spiegel unserer psychologischen Neugier: Was macht Menschen zu Tätern – und wie gelingt es Ermittlern, die Wahrheit ans Licht zu bringen? In dieser Ausgabe geht es um die Kräfte, die Menschen in den Abgrund treiben oder zurückholen. Wir zeigen, warum Rache selten Frieden bringt, wie gefährliche Häftlinge in Sicherungsverwahrung leben, was das Stockholm-Syndrom über Überlebensstrategien verrät und mehr.

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.