Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Diagnostik: "Die meisten Menschen wollen gern arbeiten!"

Psychische Erkrankungen sind mit Abstand der häufigste Grund für Erwerbsminderungsrenten. Psychologen wollen herausfinden, welche Antragsteller übertreiben oder simulieren.
Axel Kobelt, geboren 1964, ist habilitierter Psychologe und  Verhaltenstherapeut.Laden...

Herr Doktor Kobelt, Sie arbeiten an einem Fragebogen, der überprüfen soll, ob Patienten mit psychischen Krankheiten ihre Symptome wahrheitsgemäß schildern. Sollte man Menschen nicht erst einmal glauben, wenn sie von seelischem Leid berichten?

Auf jeden Fall! Nach diesem Motto handeln Psychiater ja auch meistens. Daher sind vor allem Psychiatrie­verbände nicht gerade erfreut über diese Art von Fragebogen. Schnell steht der Vorwurf im Raum, wir wollten eine Art Hexenjagd betreiben oder grundsätzlich unterstellen, dass Menschen bei einer Begutachtung zur Erwerbsunfähigkeit simulieren. Doch darum geht es gar nicht.

Worum dann?

Die Beeinträchtigungen bei psychischen Erkrankungen sind schwer messbar. Wer sich begutachten lässt, etwa weil er einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente gestellt hat, möchte sein Leiden aber anerkannt bekommen. Und aus Angst, dass der Arzt ihm nicht glaubt oder seine Symptome nicht für schwer wiegend genug hält, neigt mancher Betroffene dazu, seine Beschwerden gravierender darzustellen, als sie wirklich sind. Die Motivation zu solchen Verzerrungen wird von vielen Faktoren beeinflusst. Neben der Persönlichkeitsstruktur spielt etwa eine Rolle, wie zufrieden die Betroffenen mit ihrem Arbeitsplatz sind oder wie gut ihre finanzielle Absicherung ist. Die Herkunft aus fremden Kulturen oder das Sprachverständnis beeinflussen ebenfalls, wie jemand seine Symptome beschreibt. Das alles kann dazu führen, dass ein Antragsteller im Gespräch mit einem Gutachter nicht wahrheitsgemäß antwortet – auch wenn tatsächlich eine psychische Erkrankung vorliegt ...

5/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 5/2017

Kennen Sie schon …

06/2020

Spektrum - Die Woche – 06/2020

In dieser Ausgabe erfahren Sie etwas über die Mammutjäger vom Rande des Eismeers, festgefrorene Forschern und lernen, welche Folgen es für Kinder hat, wenn ein Elternteil psychisch krank ist.

01/2020

Spektrum - Die Woche – 01/2020

In dieser Ausgabe lesen Sie unter anderem über die Änderungen des Früherkennungsprogramms für Gebärmutterhalskrebs, den schwäbischen Dübelkönig Artur Fischer und Rote Schlangensterne, die ohne Augen sehen können.

51/2019

Spektrum - Die Woche – 51/2019

In dieser Ausgabe geht es under anderem um den Start des CHEOPS-Teleskops, den umstrittenen Rorschach-Test und den Frühmensch Homo erectus.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!