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Archäologie: Pyramidenbauer befragten die Sterne



Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten beeindrucken nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre fast exakte Orientierung in Nord-Süd-Richtung. Wie konnten die Ägypter die Himmelsrichtungen schon vor etwa 4500 Jahren so genau bestimmen? Einen Kompass gab es jedenfalls noch nicht, und auch der Polarstern stand nicht am Nordpol. Kate Spence von der Cambridge Universität hat nun einen anderen Richtungsweiser am damaligen Sternenhimmel ausgemacht. Bei der Suche danach bezog sie die Präzession der Erdachse mit einem Rhythmus von 26 000 Jahren in ihre Berechnungen ein. Wie sie herausfand, konnten die ägyptischen Baumeister zwei Sterne zur Orientierung heranziehen. Denn im Jahre 2467 v. Chr. standen Kochab im Sternbild Kleiner Bär und Mizar im Großen Wagen zu einem bestimmten Zeitpunkt so übereinander, dass eine Senkrechte zwischen ihnen den Nordpol bestimmte. Dies erklärt zugleich die Abweichungen der verschiedenen Pyramiden von der exakten Nord-Süd-Orientierung: Die beiden Sterne verlagerten sich im Laufe der Zeit, und so erhielt jede Pyramide eine neue, leicht divergierende Ausrichtung. Damit aber kann man die Pyramiden nun auch auf zehn Jahre genau datieren, während die historischen Zeugnisse einen Spielraum von hundert Jahren ließen. (Nature, Bd. 408, S. 320)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001, Seite 31
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
1 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 1 / 2001

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