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Trauer: Quälende Sehnsucht

Der Tod eines geliebten Menschen ist für manche Angehörigen so schmerzhaft, dass sie den Verlust nicht wahrhaben wollen und sich stattdessen in ihre ­Erinnerungen ­flüchten. Psychologen erforschen, worin diese so genannte komplizierte Trauer gründet und wie sie sich überwinden lässt.
Mein rechter Platz ist frei ...Laden...
Ein Mensch stirbt. Er hinterlässt Familie, Freunde, einen Partner. Der Verlust ist nahezu unbegreiflich, er erschüttert und schmerzt. Die geliebte Person, die vor Kurzem noch von ihrem Tag erzählte und im gemeinsamen Bett schlief, sie ist einfach nicht mehr da – und wird nie wieder zurückkehren.
Was ist in einem solchen Moment eine "normale" Reaktion? Wie lange darf die Trauer währen, und wann sollte der Alltag weitergehen?
Lange glaubten Ärzte und Psychologen, ein Trauerprozess umfasse mehrere Stadien, die jeder durchlaufen müsse. Nach dem ersten Schock und einer Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens seien Gefühle der Verzweiflung, Schuld, Wut oder Angst unvermeidlich. Diese müsse der Trauernde zulassen, glaubt zum Beispiel die Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast. Erst wenn sie den Verlust akzeptierten und den Verstorbenen als eine Art inneren Begleiter betrachteten, könnten sie neue Beziehungen aufbauen und ihr Leben fortführen.
Müssen Hinterbliebene ihre Trauer tatsächlich in einem langwierigen Prozess durcharbeiten? Der Psychologe George Bonanno von der Columbia University in New York hält das für ­einen Mythos ...
Januar/Februar 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2011

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  • Quellen
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