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Quallen.Gefährliche Schönheiten.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1998. 358 Seiten, DM 248,–.

Dieses Buch widersetzt sich der Einordnung in gewohnte Kategorien. Zunächst kommt es als opulenter Bildband im Quartformat einher. Anders jedoch als viele bunte „coffeetable-books“, die sich auch Analphabeten mühelos erschließen, ist dieses ein Lesebuch. Einstiege zum Schmökern bieten sich fast auf jeder Seite dank der detaillierten Gliederung der geradezu verschwenderisch ausgebreiteten wissenschaftlichen Fakten. In allgemein verständlicher Sprache werden über 230 Literaturzitate verarbeitet – es ist auch ein Lehrbuch, allerdings keines der gewohnten Art mit spröden Diagrammen und über Generationen hinweg tradierten Schemazeichnungen, sondern eine mitreißende Symbiose von Text und Bilddokumenten.

Der deutsche Meeresbiologe Thomas Heeger, heute Professor an der San-Carlos-Universität in Cebu (Philippinen), hat nach dem Studium der heimischen Ohrenqualle über viele Jahre hinweg tropische Großquallen, auch die gefährlichen Würfelquallen, in ihrem Lebensraum beobachtet. Das Buch zeigt in adäquater Form die Früchte seiner international anerkannten Forschungen und auch seines photographischen Könnens.

Quallen gehören zu den Hohltieren – genauer zu den Nesseltieren. Das heißt: Sie sind sehr einfach organisiert (als Gallertbecher), besitzen gleichzeitig aber die spektakulärsten Zellbildungen im Tierreich. Eindrucksvolle rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen die Nesselfäden mit ihrer vielfältigen Armatur vor und nach dem Eindringen in die Haut der Opfer (wie Fische oder Menschen). Die aufgeführten medizinischen und allgemeinen Schutzmaßregeln nutzen vor allem den Tropenreisenden.

Die berückende Schönheit der schwebenden Grazien wird am ehesten unter Wasser im Gegenlicht deutlich. Hier ist das Beste der Naturphotographie (vom Autor und anderen Spezialisten) zusammengetragen. Alle diese Bilddokumente geben zugleich äußerst wertvolle Information – zu Fortpflanzung, Ernährung, Leuchtvermögen, Räuber-Beute-Beziehungen und Schutzallianzen.

Ein aktueller systematischer Abriß der häufigsten und auffälligsten Quallen der Welt beschließt das Buch.

Dem Leser wird es ergehen wie einst Ernst Haeckel, der von seinem ersten Besuch am Meer (Helgoland 1854) schrieb: „Da übten unter den vielen, bisher nie lebend gesehenen Thierformen keine anderen eine so mächtige Anziehungskraft auf mich aus, als die Medusen.“


Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 1999, Seite 124
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
3 / 1999

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 3 / 1999

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