Direkt zum Inhalt

Verhandeln: Ratgeber: Erfolgreich beim Gehaltspoker

Wenn es darum geht, das eigene Gehalt zu verhandeln, fühlen sich viele Arbeitnehmer und Bewerber unsicher. Mit welcher Strategie gelangt man am ehesten zum Erfolg? Fünf Ratschläge aus der sozialpsychologischen Forschung.
Ein Ass im Ärmel

In die Bewerbung auf ihre Traumstelle hatte Lia viele Tage investiert. Entsprechend groß war die Freude, als endlich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch im Briefkasten der frischgebackenen Uniabsolventin lag. Das erste Zusammentreffen mit dem potenziellen Arbeitgeber verlief gut – bis dieser die gefürchtete Frage stellte: "Wie sieht es denn mit Ihren Gehaltsvorstellungen aus?"

Über die richtige Antwort darauf haben sich vermutlich schon viele Bewerber und Arbeitnehmer den Kopf zerbrochen. Komme ich der Aufforderung nach und nenne eine Zahl? Oder lasse ich besser meinem Gegenüber den Vortritt und bitte um ein erstes Angebot? Und wenn ich mich schon durchringe zu beginnen: Wie hoch steige ich ein, um eine solide Verhandlungsgrundlage zu schaffen, ohne dabei gleich unverschämt zu wirken?

Die Erkenntnisse der psychologischen Verhandlungsforschung kann man sich beim Gehaltspoker zu Nutze machen. Und wer nicht zu den (Un-)Glücklichen gehört, die ihr Gehalt selbst verhandeln, kann die Tipps womöglich auch beim nächsten Autokauf oder auf dem Flohmarkt einsetzen.

Strategie 1: Machen Sie das erste Angebot!

Schon die ersten Minuten am Verhandlungstisch entscheiden oft darüber, wer am Ende mehr Profit erzielt. Besonders groß ist der Einfluss der ersten Zahl, die in den Raum geworfen wird. Sie fungiert meist als so genannter Anker, der die weitere Verhandlung in einem vorteilhaften Bereich für die Partei verortet, die das erste Angebot ausgesprochen hat. Je weiter man den Anker auswirft, desto besser.

Macht in unserem Eingangsbeispiel Lia den Anfang, setzt sie den Anker. Und diesen wählt sie mit 45 000 Euro geschickter, als wenn sie mit vergleichsweise bescheidenen 40 000 Euro beginnt. Eine höhere Ausgangszahl führt gewöhnlich am Ende auch zu einem höheren Gehalt. Umgekehrt gilt natürlich für die Gegenseite: Je niedriger der Arbeitgeber einsteigt, desto niedriger fällt auch das endgültige Gehalt aus.

Solche Ankereffekte zählen zu den robustesten Phänomenen der Psychologie. Forscher beobachteten sie bereits in den unterschiedlichsten Szenarien – sie verzerren offenbar sogar die Urteile von Experten mit langjähriger Berufserfahrung. Dabei muss der Anker nicht einmal mit dem abzugebenden Urteil in Verbindung stehen, sondern kann auch ganz offensichtlich zufällig zu Stande kommen, etwa durch Würfeln oder das Drehen an einem Glücksrad.

Besonders eindrücklich zeigten das Sozialpsychologen um Birte Englich von der Universität zu Köln im Jahr 2006. Die Forscher ließen erfahrene Richter würfeln und anschließend ein angemessenes Strafmaß für einen fiktiven Verbrecher festlegen ...

Kennen Sie schon …

Spektrum - Die Woche – Was die Wiener Teststrategie leisten kann

Dieses Mal blicken wir nach Wien. In der aktuellen Ausgabe von »Spektrum – Die Woche« berichtet unsere Autorin Ruth Eisenreich, wie die österreichische Hauptstadt Millionen Massentests für die gesamte Bevölkerung organisiert. Und nicht zuletzt, ob das in Deutschland auch ginge.

Spektrum Psychologie – Loslassen

Ob Beziehungen, Lebensträume oder Jobs: Nicht an allem im Leben können wir ewig festhalten. Manchmal erschweren Bindungserfahrungen aus der Kindheit das Loslassen. Doch mit den richtigen Strategien können Neuanfänge trotzdem gelingen.

Spektrum - Die Woche – Warum loslassen so schwer ist

In dieser Ausgabe widmen wir uns unter anderem dem aktuellen Sachstandsbericht des Weltklimarats, der globalen Impfstoffverteilung sowie der Frage, warum Loslassen so schwer ist. (€)

Schreiben Sie uns!

2 Beiträge anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Galinsky, A. D., Mussweiler, T.: First Offers as Anchors: The Role of Perspective-Taking and Negotiator Focus. In: Journal of Personality and Social Psychology 81, S. 657-669, 2001

Loschelder, D. D. et al.: "€14,875?!": Precision Boosts the Anchoring Potency of First Offers. In: Social Psychological and Personality Science 10.1177/1948550613499942, 2013

Loschelder, D. D. et al: The First-Mover Disadvantage. The Folly of Revealing Compatible Preferences. In: Psychological Science 10.1177/0956797613520168, 2014

Mussweiler, T. et al.: Overcoming the Inevitable Anchoring Effect: Considering the Opposite Compensates for Selective Accessibility. In: Personality and Social Psychology Bulletin 26, S. 1142-1150, 2000

Schweinsberg, M. et al.: Starting High and Ending with Nothing: The Role of Anchors and Power in Negotiations. In: Journal of Experimental Social Psychology 48, S. 226-231, 2012

Trötschel, R. et al.: Perspective Taking as a Means to Overcome Motivational Barriers in Negotiations: When Putting Oneself into the Opponent's Shoes Helps to Walk towards Agreements. In: Journal of Personality and Social Psychology 101, S. 771-790, 2011