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Hirnforschung: Abschied vom Durchschnittshirn

Menschliche Gehirne unterscheiden sich stärker als gedacht. Diese Erkenntnis wollen Neurowissenschaftler jetzt vermehrt berücksichtigen.
Durchschnittshirn?Laden...

Der Fall sorgte Anfang der 1980er Jahre für Aufsehen: Der junge Mann hatte hervorragende Noten in Mathematik, einen IQ von 126 und wirkte sonst vollkommen unauffällig. Doch ein MRT-Scan, dem sich der Student unterzogen hatte, offenbarte in seiner Hirnrinde lediglich eine dünne Schicht von Nervenzellen von vielleicht einem Millimeter Dicke. Rund 95 Prozent seines Schädelraums waren dagegen mit Flüssigkeit gefüllt, als Folge eines »Hydrozephalus«. Dieses pathologische Beispiel mag extrem sein. Aber es lässt erahnen: Menschliche Gehirne können ungewöhnlich aussehen, ohne dass man ihren Besitzern dies unbedingt anmerkt.

Wären Menschen Mäuse, hätten es Neurowissenschaftler einfacher. Das Nagerhirn hält sich in seinem Aufbau und der Anordnung der Nervenzellen vergleichsweise eng an einen Standard. Bei der Spezies Homo sapiens geht es nicht so vorhersehbar zu, selbst bei Vertretern, die völlig gesund sind. »Menschen können sehr unterschiedliche Gehirne haben«, bestätigt die Hirnforscherin Katrin Amunts vom Forschungszentrum Jülich. »Und anders als früher nehmen wir diese individuellen Abweichungen inzwischen auch als Forschungsthema ernst«...

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  • Quellen

Foulkes, L., Blakemore, S.-J.: Studying individual differences in human adolescent brain development. Nature Neuroscience 21, 2018

Mills, K. L. et al.: The developmental mismatch in structural brain maturation during adolescence. Dev. Neuroscience 36, 2014

Müller, S. et al.: Individual variability in functional connectivity architecture of the human brain. Neuron 77, 2013

Noble, K. G. et al.: Family income, parental education and brain structure in children and adolescents. Nature Neuroscience 18, 2015

Seghier, M. L., Price, C. J.: Interpreting and utilising intersubject variability in brain function. Trends of Cognitive Science 22, 2018

Seghier, M. L. et al.: The importance of premotor cortex for supporting speech production after left capsular-putaminal damage. Journal of Neuroscience 34, 2018