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Serie Praktische Psychologie: Verbrechen unter der Lupe

Rechtspsychologen beurteilen ­die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, ergründen, warum ­Menschen kriminell werden, und therapieren Straftäter. Ein Überblick über ein Fachgebiet voller brisanter Fragen.
RichterhammerLaden...

Wurden Jörg Kachelmann und Andreas Türk mit Falschaussagen zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt? Hätte die Germanwings-Katastrophe verhindert werden können, wenn man die schwere Depression des Kopiloten Andreas L. rechtzeitig erkannt hätte? Und lassen sich Menschen, die Kinder sexuell missbraucht haben, psychotherapeutisch oder medikamentös so behandeln, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht?

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Rechtspsychologie. Ihre Vertreter wenden Wissen aus den psychologischen Grundlagen- und Methodenfächern an, um zu erklären, warum sich Menschen kriminell verhalten. Traditionell unterscheidet man dabei die beiden Hauptfelder Kriminalpsychologie und forensische Psychologie. Die Kriminalpsychologie befasst sich vor allem mit allgemeinen Theorien und Befunden dazu, warum sich Menschen delinquent verhalten und wie sich dies verhindern lässt. Von forensischer Psychologie dagegen spricht man, wenn solche Erkenntnisse Eingang in die juristische Arbeit finden, etwa beim ­Verfassen von Gutachten in Familien- und Strafrechts­prozessen oder bei der Resozialisierung straffällig gewordener Menschen.

Die meisten praktisch tätigen Rechtspsychologen arbeiten traditionell im Straf- und Maßregelvollzug sowie als Gutachter. Daher bezieht sich auch ein großer Teil der Forschung auf diese Beschäftigungen: Wissenschaftlich arbeitende Rechtspsychologen untersuchen beispielsweise, wie aussagekräftig und valide rechtspsychologische Gutachten sind oder wie hoch das Risiko ist, dass Verbrecher erneut straffällig werden. Letzteres wird insbesondere bei Gewalttaten intensiv gesellschaftlich diskutiert, vor allem in Bezug auf sexuelle Übergriffe. Darüber kursieren jedoch viele falsche Vorstellungen. So zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass entgegen der landläufigen Meinung Sadismus als Tatmotiv bei Sexualverbrechen nur eine geringe Rolle spielt. ...

6/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 6/2016

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  • Quellen

Eher, R. et al.: Sadism and Violent Reoffending in Sexual Offenders. In: Sexual Abuse 28, S. 46–72, 2016

Leygraf, N.: Tötungsdelikte in und nach intimen Beziehungen. In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie 9, S. 211–219, 2015

Shaw, J., Porter, S.: Constructing Rich False Memories of Committing Crime. In: Psychological Science 26, S. 291–301, 2015

Wallner, S., Stemmler, M.: Jugendliche Gewaltdelinquenz, psychosoziale Merkmale und Migrationsstatus. In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie 8, S. 84–95, 2014