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Reise durch das Sonnensystem


Serge Brunier, Bildberichterstatter und stellvertretender Chefredakteur der französischen Zeitschrift "Ciel et Espace", wird auch mit diesem Werk seinem Ruf gerecht, die Astronomie der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Bildband enthält eine gelungene Sammlung der schönsten und eindrucksvollsten Aufnahmen der Raumsonden Pioneer und Voyager, ergänzt durch solche des Hubble-Weltraumteleskops und irdischer Observatorien.

Das Buch ist am ehesten für Leser geeignet, die an faszinierenden Bildern interessiert sind, aber wenig physikalisches Vorwissen mitbringen. Die Schilderungen der Reise orientieren sich stark an diesem Material; es wird folglich viel von geologischen Formationen und deren Entstehung sowie den klimatischen Verhältnissen auf den Planeten berichtet. Im Hauptteil kommt kein einziges Diagramm vor. Dafür kann der interessierte Leser im Anhang einige detailliertere Informationen nachschlagen. Dort finden sich grundlegende physikalische Zusammenhänge, eine Auflistung der Sonnen- und Mondfinsternisse der kommenden Jahre und auch die bekannten Tabellen zum Vergleich der Planeten in allen erdenklichen Parametern.

Brunier beginnt seine Reise mit einem Überblick vom Urknall über die Evolution von Galaxien und die Sternentstehung, um schließlich bei unserem Zentralgestirn anzukommen. Von innen nach außen vorgehend, beschreibt er sodann im Stil eines Reisetagebuchs die Bestandteile unseres Sonnensystems. Äußerst anschaulich führt er die Objekte anhand einiger Beispiele vor, als wäre er der Führer einer interplanetarischen Expedition. In etwa 20 Kapiteln präsentiert er alle Planeten, alle großen Monde, Asteroiden und Kometen. Jedes Kapitel beginnt mit einem doppelseitigen Bild. Leider verschwindet häufig viel Information im Bund; auch sind die Legenden auf den großen Abbildungen nicht immer einfach zu lesen.

Jedem Objekt sind etwa zehn Seiten gewidmet, dadurch bleibt bei den vielen Bildern nicht viel Platz für Text. Mit seinen malerischen Beschreibungen erweckt Brunier den Eindruck, man habe die Natur der verschiedenen Himmelskörper fast bis ins Detail verstanden. Aber der Leser sollte sich immer vor Augen führen, wie dürftig das vorhandene Wissen gerade über die äußeren Planeten ist.

Schade, daß auch die deutsche Fassung nur auf dem Stand von 1993 (dem Erscheinungsjahr der französischen Originalausgabe) ist; deshalb findet sich nichts über den Zusammenstoß des Kometen Shoemaker-Levy 9 mit Jupiter im Juli vergangenen Jahres (vergleiche jedoch den Artikel der Kometenentdecker auf Seite 62 dieser Ausgabe).

Das Buch ist anschaulich und spannend geschrieben; es ist jedem zu empfehlen, der sich über den Stand der Erforschung unseres Sonnensystems informieren will, ohne dabei allzugroßen Wert auf Vollständigkeit und Detailfülle zu legen.



Aus: Spektrum der Wissenschaft 10 / 1995, Seite 124
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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