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MATHEMATIK: Mehr als drei Dimensionen

Ein australischer Mathematiker erweitert einfache Zusammenhänge zu komplexen Strukturen – höchst kurzweilig.

Der Buchtitel ist seltsam: Inwiefern haben Zahlen Gefühle? Anscheinend hat der deutsche Verlag im Originaltitel "Things to Make and Do in the Fourth Dimension" eine Art transzendenten Emotionsbegriff erkannt und entsprechend übersetzt. In der Mathematik versteht man darunter aber üblicherweise das Ausweiten von Zusammenhängen, die in drei Dimensionen gelten, auf höherdimensionale Räume. Der Inhalt des Werks hingegen überzeugt. In dem beinahe 500 Seiten starken Band unternimmt der ehemalige Mathematiklehrer Matt Parker eine gelungene Reise von den ersten Axiomen Euklids (3. Jahrhundert v. Chr.) bis zu heutigen Methoden der Kryptografie.

In den ersten Kapiteln behandelt er ausführlich die Grundlagen der Mathematik und ihre Bedeutung für den Alltag. Dabei pendelt er zwischen Lehrbuch, Geschichtsband, Ausflügen in die aktuelle Forschung und humorvollen Einlagen hin und her. Parker vermag es, seine Leser zu unterhalten und gleichzeitig aufzuklären. Er arbeitet mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln, etwa Fotos von seiner Reise nach China, bei der er die olympische Schwimmhalle in Peking aufsuchte. Deren Fassade sieht aus wie aneinanderhaftende Seifenblasen – die Architekten wollen damit das Gefühl von blubberndem Wasser vermitteln. Diese Formgebung nimmt der Autor zum Anlass, um auf nicht perfekte Kreise einzugehen und sich mit dem idealen Kreis zu befassen, den es als mathematische Abstraktion gibt, nicht aber in der Natur. Wenn er solche ungewöhnlichen Exkurse unternimmt, über mathematisch korrektes Zubinden von Schuhen sinniert oder sich umfallenden Reihen von Dominosteinen widmet, macht Mathematik richtig Spaß. ...

Januar 2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Januar 2016

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