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Linguistik: Mit heißer Nadel gestrickt

Publizist Daniel Scholten schreibt über Indo- germanisch und vieles andere, kann aber nicht voll überzeugen.

Der Dichter Hans Magnus Enzensberger soll gesagt haben, Linguisten seien Leute, die das Weltgeschehen aus dem Satz "Hänschen fährt Fahrrad" herleiten können. Falls der Ausspruch authentisch ist, nimmt er etwas aufs Korn, das bei Sprach­enthusiasten tatsächlich nicht selten vorkommt: das Bestreben nämlich, einen Rundumschlag à la "Alles, was ich zum Thema Sprache längst einmal loswerden wollte" zu publi­zieren.

Das ist durchaus nicht ehrenrührig – insbesondere, wenn man fachkundig ist. Daniel Scholten, Publizist und Krimiautor, kann denn auch mit einem Studium der Historischen Sprachwissenschaft, Deutschen Linguistik und Ägyptologie aufwarten. Zudem betreibt er einen Podcast über die Grammatik und Stilistik des Deutschen. In seinem neuen Buch "Denksport Deutsch" beschäftigt er sich mit unterschiedlichsten Themen. Er behandelt die Entstehung der grammatischen Geschlechter und taucht dabei tief in die indogermanische Vergangenheit ein. Er befasst sich mit gutem deutschen Stil und spricht dabei den Dativ von der Anschuldigung des Genetivmords frei. Er verarztet den deutschen Konjunktiv und nimmt die journalistische Zitierpraxis aufs Korn – und er bläst den angeblich kurz bevorstehenden Untergang des Deutschen ab. Das liest sich alles recht nett und munter, informativ ist es obendrein, und man kann es ganz nach Gusto in kleinen Häppchen genießen. Genau darin liegt aber auch das Problem. ...

Februar 2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2017

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