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Wissenschaftsgeschichte: Die Idee vom Unermesslichen

Dem Begriff "Unendlichkeit" näherten sich Menschen im Lauf der Geschichte auf recht unterschiedliche Weise.

Der Buchtitel ist durchaus wörtlich zu nehmen. Naturwissenschaftsdozent Brian Clegg beschreibt das mathematische Werden des Konzepts "Unendlichkeit" von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei geht er auf die Paradoxa des Zenon von Elea (5. Jahrhundert v. Chr.) ebenso ein wie auf den antiken Philosophen Aristoteles, der mit seinem "potenziell Unendlichen" eine Notlösung schuf, um sich nicht mit dem wirklich Unendlichen beschäftigen zu müssen. Außerdem befasst sich der Autor mit den Pythagoreern, die Zahlen als mit der Schöpfung verbunden ansahen, sowie mit dem griechischen Mathematiker Archimedes, der die damals gängige Vorstellung vom Unendlichen veränderte. In seinem Werk "Die Sandrechnung" hatte Archimedes geschätzt, wie viele Sandkörner das Universum füllen, das man sich zu dieser Zeit viel kleiner vorstellte als heute. Er erhielt eine große, aber konkrete Zahl – was ­gegen die Ansicht sprach, die Zahl der Sandkörner sei unendlich groß.

Mit der Ausbreitung des Christentums verbanden die Menschen das Unendliche zunächst mit Gott. Clegg zeigt allerdings auf, dass diese Assoziation nach und nach schwächer wurde. Während frühe Kirchenlehrer wie Augustinus von Hippo (354 – 430) noch davon ausgingen, Gott und das Unendliche seien wesensgleich (was die Allmacht Gottes einbezog), relativierte Thomas von Aquin (1225 – 1274) diese Vorstellung später in seinem Buch "Summa theologiae". ...

November 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft November 2015

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