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Medizin: Dem Übersinnlichen auf der Spur

Biologe Werner Müller hinterfragt angeblich übernatürliche Wahrnehmungen.

Zukunftsvisionen, Nahtoderfahrungen, Haustiere, die telepathisch mit ihren Haltern in Kontakt stehen: Die Vorstellung von übersinnlichen Wahrnehmungen hält sich hartnäckig. Immer wieder behaupten Esoteriker, es gebe diese Phänomene – und berufen sich dabei auf anekdotische Fallgeschichten. Es fehlen aber reproduzierbare Belege, stellt Werner Müller klar, emeritierter Professor an der Fakultät für Biowissenschaften der Universität Heidelberg. Nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten hinterfragt er unter anderem die Versuche von Parapsychologen, Übersinnliches experimentell nachzuweisen.

In zwölf Kapiteln legt Müller dar, warum wir paranormale Ansätze nicht bemühen müssen. Die meisten verblüffenden Wahrnehmungsfähigkeiten, zeigt er, lassen sich schon mit heutigen empirischen Erkenntnissen erklären. Ein Hund beispielsweise, der die Diabeteserkrankung seines Herrchens bemerkt, schafft das mit seinem normalen Geruchssinn. Und wahrscheinlich, führt der Autor weiter aus, würden künftig noch etliche weitere Mechanismen der Sinneswahrnehmung experimentell zugänglich, die bislang nicht einmal entdeckt seien. Um sie zu untersuchen, müssten Rezeptoren unverletzt mit Messgeräten analysiert werden, während Mensch oder Tier bei vollem Bewusstsein sind – was sich bisher schwer umsetzen ließ, aber mit neuen Techniken zunehmend besser möglich ist.

Stellenweise irritiert die Fülle an unterschiedlichen Themen, die der Autor anreißt. Unterm Strich wirkt der Band jedoch fundiert recherchiert und ist amüsant geschrieben. Ein lesenswertes Werk – nicht nur für Leser, die dem 7. Sinn gegenüber skeptisch eingestellt sind.

Oktober 2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Oktober 2016

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