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Musik in der Rehabilitation: Der Rhythmus des Gehens

Musikalisches Training hilft Parkinson- und Schlaganfallpatienten dabei, sicherer auf den Beinen zu sein. Auch Gesunde könnten so ihre motorischen Fähigkeiten im Alter erhalten - und sogar geistig profitieren.
Musik macht mobilLaden...

Zuerst klingt es wie ein ganz normaler, schneller Schlagzeug-Beat. Doch hin und wieder fehlt der erste tiefe Schlag, der den Beginn eines neuen Takts markiert. Dann klingt der Rhythmus seltsam abgehackt. Und zwar nicht nur für Erwachsene: Bereits das Gehirn von zwei Tage alten Babys registriert den ausgelassenen Schlag. Im EEG zeigt sich ein charakteris­tisches Muster, das stets auftritt, wenn etwas Unerwartetes passiert. Unser Verständnis für Rhythmen ist uns also buchstäblich in die Wiege gelegt.

Mit sieben Monaten kann ein Säugling verschiedene Taktarten unterscheiden. Das zeigte eine Studie der kanadischen Psychologinnen Laurel Trainor und Jessica Phillips-Silver. Sie bewegten sich mit Babys auf dem Arm zu einem unbetonten Schlagzeugrhythmus und wiegten die Kinder dabei entweder im Zweiviertel- oder im Dreivierteltakt. Anschließend spielten sie den jungen Probanden zwei Aufnahmen vor, bei denen derselbe Beat durch unterschiedliche Betonungen entweder einem Marsch oder einem Walzer entsprach. Die Babys hörten jener Taktart länger zu, in der die Forscherinnen zuvor mit ihnen getanzt hatten. Durch die Bewegung konnten die Babys sich also den Rhythmus einprägen.

Sich passend zum Takt einer Melodie zu bewegen, erscheint Erwachsenen selbstverständlich. Tatsächlich erfordert diese Fähigkeit aber eine komplexe Vernetzung von Hirnarealen. Denn dafür müssen wir nicht nur Tonlängen und Lautstärken registrieren, sondern auch die passenden Bewegungen präzise planen und ausführen ...

1/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 1/2015

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  • Quellen

Benoit, C.-E. et al.: Musically Cued Gait-Training Improves Both Perceptual and Motor Timing in Parkinson’s Disease. In: Frontiers in Human Neuroscience 8, 494, 2014

Hars, M. et al.: Effect of Music-Based Multitask Training on Cognition and Mood in Older Adults. In: Age and Ageing 43, S. 196-200, 2014

McIntosh, I. et al.: Rhythmic Auditory-Motor Facilitation of Gait Patterns in Patients with Parkinson's Disease. In: Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry 62, S. 22-26, 1997

Phillips-Silver, J., Trainor, L. J.: Feeling the Beat: Movement Influences Infant Rhythm Perception. In: Science 308, S. 1430, 2005

Thaut, M. H. et al.: Rhythmic Facilitation of Gait Training in Hemiparetic Stroke Rehabilitation. In: Journal of Neurological Sciences 151, S. 207–212, 1997

Van Vugt, F. T.: Sounds on Time: Auditory Feedback in Motor Learning, Re-Learning and Over-Learning of Timing Regularity. Dissertation, Université Claude Bernard – Lyon I, 2013

Winkler, I. et al.: Newborn Infants Detect the Beat in Music. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 106, S. 2468-2471, 2009