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Astronomie: Riesiges Nordlicht auf Jupiter



Die Ursache der irdischen Polarlichter ist der Sonnenwind – ein wechselhafter Strom elektrischer Partikel, die den Linien des Erdmagnetfelds folgen und mit hoher Energie polwärts stürzen. Die Teilchen prallen dabei auf die Atmosphäre und regen sie zum Leuchten an. Auch die Pole des Jupiters zeigen solche spektakulären Leuchtfeuer. Allerdings erreicht der Sonnenwind den fernen Riesenplaneten nur noch als laues Lüftchen, dem bisher niemand die Erzeugung von Polarlichtern zutraute. Stattdessen sollen sie nach gängiger Auffassung ausschließlich von Partikeln verursacht werden, die den Vulkanen des Mondes Io entstammen. Fotoserien, die Astronomen um Jack H. Waite von der Universität Michigan in Ann Arbor mit dem Hubble-Weltraumteleskop schossen, erschüttern jetzt diese Vorstellung. Sie zeigen ein plötzliches Aufflammen der Atmosphäre am Jupiter-Nordpol. Binnen 70 Sekunden erfasste die Leuchterscheinung ein Gebiet von der Größe der Erdoberfläche, um ebenso schnell zu verlöschen. Die Helligkeit des gigantischen Ausbruchs übertraf das bisher stärkste Nordlicht um das Zehnfache. Aus der Orientierung des Magnetfelds am Ort der Leuchtspuren war zu schließen, dass der ursächliche Teilchenregen aus der Richtung der Sonne kam, und zwar aus einem Gebiet weit jenseits von Io. Der Sonnenwind hat also bei den Polarlichtern des Jupiters wohl doch seine Hand im Spiel. Um seine genaue Rolle zu klären, hoffen die Astronomen nun auf Daten der Raumsonde Cassini. (Nature, Bd. 410, S. 787)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 6 / 2001, Seite 25
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
6 / 2001

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 6 / 2001

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