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Standpunkt: Riskante Schlagzeilen

Um schreckliche Verbrechen wie Amokläufe zu erklären, präsentieren Medien oft vorschnell eine psychiatrische Diagnose. Das ist allerdings nicht nur vereinfacht, sondern auch gefährlich.
Zeitungen, deren Schlagzeilen sich mit Terror befassen, liegen ausgebreitet auf dem Boden.

Das Foto ging um die Welt: Es zeigte einen jungen Mann, der lässig vor dem Panorama der Golden Gate Bridge posiert. Ein typischer Urlaubsschnapp­schuss. Darauf zu sehen war der Ko­pilot der Germanwings-Maschine, der im März 2015 in den französischen Alpen 149 Menschen sowie sich selbst tötete.

Verschiedenste Medien haben das Foto veröffentlicht. Die meisten begründeten dies mit dem großen öffent­lichen Interesse. Doch welche Erkenntnis gewinnt man durch eine solche Aufnahme? Etwa die banale Tatsache, dass der Kopilot – wie immer wieder zu lesen war – "ganz normal" aussehe? Selbst renommierte Medien wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" scheuten sich nicht, das Bild zu drucken. Dahinter steckt letztlich der Wunsch, die Motive des Täters zu erklären: Was ist das für ein Mensch, der so etwas tut?

Auf der Suche nach einer Antwort spielen psychiatri­sche Begriffe eine immer größere Rolle. Jemand, der sich selbst und 149 Menschen tötet, könne doch "nicht ganz richtig im Kopf" sein, so der Tenor, egal ob Stammtisch oder prominent besetzte Talkshow ...

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  • Quellen

Johnston J., Joy, A.: Mass Shootings and the Media Contagion Effect. In: Symposiums Beitrag am 4. August 2016, American Psychological Association

Maier, W. et al.: Zwischenmenschliche Gewalt im Kontext affektiver und psychotischer Störungen. In: Der Nervenarzt 87, S. 53-68, , 2016

Seifert, D, Leygraf N.: Entwicklung und Stand des psychiatrischen Maßregelvollzugs. In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, S. 233-242, 2016

Schomerus, G. et al.: Impact of the Germanwings Plane Crash on Mental Illness Stigma: Results from two Population Surveys in Germany before and after the Incident. In: World Psychiatry 14, S. 362-363, 2015

von Heydendorff, S. C., Dreßing, H.: Mediale Stigmatisierung psychisch Kranker im Zuge der „Germanwings “-Katastrophe. In: Psychiatrische Praxis 43, S. 134-140, 2016

von dem Knesebeck, O. et al.: Changes in Depression Stigma after the Germanwings Crash –findings from German Population Surveys. In: Journal of Affective Disorders 186, S. 261-265, 2015

World Health Organization: Preventing Suicide: A Resource for Media Professionals, 2000