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Gedächtnis: Rückwärtslaufen hilft beim Erinnern

Wenn wir uns rückwärts bewegen, können wir uns zuvor eingeprägte Dinge leichter wieder ins Gedächtnis rufen, berichten Forscher von der University of Roehampton. Oft sprechen wir davon, dass künftige Ereignisse »vor der Tür stehen« oder dass wir die Vergangenheit »hinter uns« lassen. Ob solche Assoziationen eine gedankliche Reise in die Vergangenheit und somit sogar das Erinnerungsvermögen fördern, untersuchten Aleksandar Aksentijevic und seine Kollegen in einer Reihe von Experimenten. Zunächst bekamen die jeweils etwas mehr als 100 Probanden entweder einen Videoclip von einem Diebstahl präsentiert, oder sie sollten sich 20 Wörter oder 18 Farbfotografien merken. Um sie davon ein wenig abzulenken, ließen die Forscher sie danach zehn Minuten lang Sudokus lösen.

Anschließend liefen die Versuchspersonen entweder zehn Meter rückwärts oder vorwärts (oder blieben ebenso lang sitzen). Ein andermal sollten sie sich die Rückwärtsbewegung lediglich vorstellen oder bekamen ein Video von einem fahrenden Zug vorgespielt, um damit die Illusion einer Rückwärts- oder Vorwärtsbewegung zu erzeugen. Dann mussten sie so viele Wörter beziehungsweise Bilder wie möglich ins Gedächtnis zurückholen oder Fragen zur Filmszene beantworten.

Hatten sie sich real, per Illusion oder gedanklich rückwärts bewegt, gaben sie im Schnitt zwei richtige Antworten mehr als nach keiner oder nach vorwärtsgerichteter Bewegung. Beim Erinnern an Wörter und Bilder zeigten sich vergleichbare Effekte.

Die Autoren schließen daraus, dass das Gedächtnis Erinnerungen räumlich geordnet ablegt, gemäß einem »zeitlichen Index« entlang einer subjektiven Timeline. Sie vermuten außerdem eine besondere Assoziation zwischen vorgestellter Bewegung und dem Gedächtnis für dynamische Szenen: Beide könnten einer sym­metrischen Topografie folgen, und die vorgestellten Bewegungen würden so den Abruf erleichtern.

2/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2018

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  • Quelle
Cognition 182, S. 242–250, 2019