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Sprache: Sag's einfach!

Wie leicht wir den Sinn eines Textes erfassen, hängt stark vom Schreibstil ab. Doch welche sprachlichen Kniffe fördern die Verständlichkeit am meisten - und warum? Um das herauszufinden, beobachteten Neurowissenschaftler das Gehirn beim Lesen.
Knoten im Kopf

Verständlich schreiben – klingt ­einfach, ist aber schwieriger als ­gedacht. Selbst Menschen, die von Berufs wegen mit Sprache zu tun haben, scheitern bisweilen daran. Das beweist folgendes Satzungetüm aus der ­Feder eines Germanisten: "Alle genannten, am Konzept des Auslegers orientierten Formen des Verständlich-Machens haben gegenüber text­optimierenden Ansätzen einen entscheidenden Vorzug: In keinem Fall findet eine reine Substitution unter Tilgung des substituierten Elements statt." Das Zitat stammt ausgerechnet aus einem Buch mit dem Titel "Verständlich-Machen"! Sie begreifen den Sinn der Ausführungen nicht auf Anhieb, liebe Leser? Ich auch nicht. Aber warum? Was macht manche Texte für unser Gehirn leicht zugänglich und andere nicht? Und wie lässt sich verständliches Schreiben fördern?
Auf dem Buchmarkt finden sich unzählige Ratgeber für klares und prägnantes Deutsch. Der Journalist Wolf Schneider, ehemals Leiter der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule, hat mehrere Longseller zum Thema verfasst. Man solle einfache Wörter mit wenigen Silben wählen, rät der Experte, zwei von drei Adjektiven streichen, Verben gegenüber Substantiven bevorzugen (etwa "erwägen" statt "in Erwägung ziehen"). Außerdem gelte es, Schachtelsätze zu vermeiden und Metaphern zu pflegen. Klingt einleuchtend. Doch lassen sich die populären Ratschläge auch wissenschaftlich untermauern?
Was im Gehirn passiert, wenn wir Texte verstehen, ist noch erstaunlich wenig erforscht ...

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  • Quellen und Literaturtipps

Literaturtipps

Dehaene, S.: Lesen: Die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert. btb, Berlin 2012
Gute, verständliche Einführung

Reiter, M.: Klardeutsch. Neuro-Rhetorik nicht nur für Manager. Hanser, München, 2. Auflage 2010
Liefert einen praxisorientierten Überblick

Schrott, R., Jacobs, A.: Gehirn und Gedicht. Wie wir unsere Wirklichkeit konstruieren. Hanser, München 2011


Quellen

Connine, C. M. et al.: Word Familiarity and Frequency in Visual and Auditory Word Recognition. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory and Cognition 16, S. 1084-1096, 1990

Gibson, E. et al.: Reading Relative Clauses in English. In: Cognitive Linguistics 16, S. 313-353, 2005

Hargreaves, I. S. et al.: How a Hobby Can Shape Cognition: Visual Word Recognition in Competitive Scrabble Players. In: Memory & Cognition 40, S. 1-7, 2012

Hauk, O. et al.: Somatotopic Representation of Action Words in Human Motor and Premotor Cortex. In: Neuron, 41, S. 301-307, 2004

Marticorena, D. C. W. et al.: Monkeys Represent Others' Knowledge But Not Their Beliefs. In: Developmental Science 14, S. 1406-1416, 2011

Norman, S. et al.: Adults' Reading Comprehension: Effects of Syntactic Complexity and Working Memory. In: Journal of Gerontology 47, S. 258-265, 1992

Redish, J. et al.: Plain Language Makes a Difference When People Vote. In: Journal of Usability Studies 5, S. 81-103, 2010

Siegrist, M.: Effects of Taboo Words on Color-Naming Performance on a Stroop Test. In: Perceptual and Motor Skills 81, S. 1119-1122, 1995

Vagharchakian, L. et al.: A Temporal Bottleneck in the Language Comprehension Network. In: Journal of Neuroscience 32, S. 9089-9102, 2012

Wolf, M.: Proust and the Squid. The Story and Science of the Reading Brain. Harper, New York 2007