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Salerno : Pioniere medizinischer Gelehrsamkeit

Die Schule von Salerno in Süditalien war die erste medizinische Lehr- und Forschungsanstalt Europas. Ärzte verschmolzen dort antikes Wissen mit Klostermedizin und gaben der Anatomie, Chirurgie und Pharmazie wichtige Impulse.

Süddeutschland um das Jahr 1200: In seinem Ritterroman »Der arme Heinrich« lässt der Epiker Hartmann von Aue den an Lepra erkrankten Adligen im süditalienischen Salerno Hilfe suchen. Doch ein Arzt dort nennt Heinrich als einziges Heilmittel das freiwillig geopferte Herzblut einer Jungfrau. Zurück in Deutschland verliebt sich tatsächlich ein Mädchen in den leprösen Ritter, und beide reisen nach Salerno. Als sie schon auf dem Operationstisch liegt, bricht Heinrich die barbarische Prozedur jedoch ab – und gesundet bald darauf mit Gottes Hilfe.

Die fantastische Erzählung ist auch für Medizinhistoriker interessant, gab es damals in Salerno doch tatsächlich eine berühmte medizinische Hochschule. Deren Renommee strahlte bis in die weit entfernten deutschsprachigen Gebiete aus, wo zu jener Zeit noch keine derartige Einrichtung existierte.

Die Hafenstadt Salerno befindet sich südlich von Neapel in der Region Kampanien. Dort unterhielt das 120 Kilometer nördlich gelegene Benediktinerkloster Monte Cassino ein Hospital. Der Ordensgründer erwartete von seinen Mönchen die Fertigkeit, zu lesen und zu schreiben. Indem sie antike Klassiker kopierten, machten sie Monte Cassino zu einem bedeutenden Zentrum der mittelalterlichen Geistesgeschichte …

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 2/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 2/2019

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  • Quellen

Keil, G.: Roger Frugardi und die Tradition langobardischer Chirurgie. Sudhoffs Archiv 86, 2002

Stürner, W.: Kaiser Friedrich II., sein Gelehrtenkreis und die Schule von Salerno. In: Stürner, W.: Staufisches Mittelalter. Aus­gewählte Aufsätze zur Herrschaftspraxis und Persönlichkeit Friedrichs II. Böhlau, 2012, S. 205–228

Veit, R.: Quellenkundliches zu Leben und Werk von Constan­tinus Africanus. Deutsches Archiv zur Erforschung des Mittel­alters 59, 2003