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Fernerkundung: Satellitengestützte Fossiliensuche

Bisher gehörte zum Auffinden bedeutender Fossillagerstätten eine gute Portion Glück. Doch nun könnte die Auswertung von Satellitenbildern bewirken, dass Kollege Zufall ein für alle Mal ausgedient hat.
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An einem brütend heißen Tag im Juli 2009 holperte ein Pulk Geländewagen auf einer kaum erkennbaren Piste quer durch das Great Divide Basin, eine abflusslose Hochfläche im Südwesten des US-Bundesstaates Wyoming. Ziel der Expedition war ein Gebiet namens Salt Sage Draw, wo man wertvolle Fossilien zu finden hoffte, die aus der Zeit vor 55 bis 50 Millionen Jahren stammten. Damals, zu Beginn des Eozäns, begannen die Vorfahren vieler moderner Säugetierordnungen die urtümlicheren Formen aus dem Paläozän zu ersetzen. Ich (Anemone) hatte seit 1994 etliche Teams von Feldforschern – Anthropologen, Paläontologen, Geologen – in das Great Divide Basin geführt. Wie sich im Lauf der Jahre herausstellte, war Salt Sage Draw ein günstiger Ort für Fossilienjäger; es gab dort gleich mehrere Fundstätten. Diesmal hatte ich jedoch Schwierigkeiten, das Gebiet wiederzufinden. Allmählich wurde mir klar, dass die Piste nicht diejenige aus den vorangegangenen Jahren war. Irgendwie hatten wir uns verfahren.

Als sich die Reifenspuren immer mehr im Wüstensalbei und hohen Gras verloren, stoppte ich die Karawane und ging ein kurzes Stück zu Fuß, um zu schauen, ob ich den Fahrweg weiter vorn wieder deutlicher erspähen konnte. Nachdem ich um einen Hügel gebogen war, bemerkte ich ganz in der Nähe eine ausgedehnte Sandsteinbank und sah, dass die undeutliche Piste genau daran entlangführte. Da Sandsteine im Great Divide Basin und vielen weiteren Sedimentbecken im Westen der USA oft Fossilien führen, beschlossen wir, uns hier vor der Weiterfahrt noch ein wenig nach interessanten Versteinerungen umzusehen. Wir hatten etwa eine Stunde lang das Gestein systematisch auf Händen und Knien abgesucht, als meine Doktoranden Tim Held und Justin Gish riefen, sie seien auf ein paar hübsche Säugetierkiefer gestoßen. Gespannt eilte ich zu ihnen hinüber. Fossile Kiefer mit Zähnen sind begehrt. Denn sie bieten genügend Anhaltspunkte zur Identifikation der zugehörigen Tierart, selbst wenn andere Teile des Skeletts fehlen. Zudem verraten sie, wovon sich das Tier ernährt hat.

Was dann folgte, lässt sich nur als Traum jedes Paläontologen bezeichnen. Meine Studenten hatten ein wahres Fossilien-Eldorado aufgespürt: keine gewöhnliche Fundstelle mit einer Hand voll Kieferknochen oder einigen Dutzend Zähnen und Knochen, die aus dem Sandstein herausgewittert waren, sondern ein echter Fossilienschatz, aus dem wir inzwischen fast 500 gut erhaltene Kieferfragmente und einige tausend Zähne und Knochen bergen konnten. Sie stammen von über 20 verschiedenen Säugetierarten, die hier vor ungefähr 50 Millionen Jahren lebten. Wir tauften den Platz "Tim's Confession" (Tims Bekenntnis). Er ist nicht nur die ergiebigste Lagerstätte im Great Divide Basin, sondern der reichste Fundort von Säugetierfossilien aus dem frühen Eozän im gesamten Westen der USA. ...

Februar 2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2015

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  • Quellen

Anemone, R., Conroy, G., Emerson, C.: GIS and Paleoanthropology: Incorporating New Approaches from the Geospatial Sciences in the Analysis of Primate and Human Evolution. In: American Journal of Physical Anthropology 146, S. 19 - 46, 2011

Anemone, R., Emerson, C., Conroy, G.: Finding Fossils in New Ways: An Artificial Neural Network Approach to Predicting the Location of Productive Fossil Localities. In: Evolutionary Anthropology 20, S. 169 - 180, 2011

Emerson, C., Anemone, R.: An Artificial Neural Network-Based Approach to Identifying Mammalian Fossil Localities in the Great Divide Basin, Wyoming. In: Remote Sensing Letters 3, S. 453 - 460, 2012