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Biomechanik: Schabe hält Raketenschub stand



Was hat die Schabe dem Menschen voraus? Sie lässt sich nicht aus der Bahn werfen: Ein laufender Mensch gerät durch einen kräftigen Stoß in die Seite ins Straucheln, eine Kakerlake dagegen rennt unbeirrt weiter, selbst wenn eine Miniaturrakete auf ihrem Rücken quer zur Laufrichtung gezündet wird. Worauf beruht diese enorme Trittsicherheit? Nicht auf einer reflexartigen Reaktion, vermuten Robert J. Full von der Universität von Kalifornien in Berkeley und Devin L. Jindrich von der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts), die das Raketenexperiment durchgeführt haben. Denn der Seitenschub dauert nur eine Schrittlänge, und die Schaben gleichen ihn aus, ohne ihre Gangart und Geschwindigkeit zu ändern oder auch nur einen Fuß zur Seite zu setzen. Nervenreflexe wären dafür zu langsam. Stabilisiert wird das Krabbeltier vielmehr durch das optimale Zusammenspiel von Muskulatur und Außenskelett. Dieses hält, wie mathematische Modelle und Versuche an Schabenbeinen bestätigten, dank seiner viskoelastischen Eigenschaften ähnlich wie eine seitlich angebrachte Feder das Tier in der Spur. Andere Forscher setzten die Erkenntnisse bereits in die Praxis um und bauten einen sechsbeinigen Miniroboter, der ohne zusätzliche Computersoftware zur Stabilisierung behände durch unwegsames Gelände krabbelt. (Journal of Experimental Biology, Bd. 205, S. 2803)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 11 / 2002, Seite 44
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH
11 / 2002

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft 11 / 2002

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